Wie Stress Blutgefäße schädigt

- Negativ-Stress legt nicht nur die Lebenskräfte lahm und blockiert die geistigen Fähigkeiten, er schädigt auf Dauer auch Blutgefäße. Was schon lange bekannt ist, haben nun Heidelberger Forscher auf eine gesicherte Basis gestellt. Sie wollten wissen, wie eine psychische Belastung bis in die kleinsten Lebenseinheiten unseres Körpers hinein wirken kann, und folgten dem Stressreiz bis in den Zellkern.

<P>Im Zeitalter einer emotionsarmen High-Tech-Medizin wirkt das Fazit ihrer Ergebnisse geradezu revolutionär. Sie mündet in der Empfehlung an Ärzte: Hören Sie Ihren Patienten intensiv zu, reden Sie mit ihnen und verlassen Sie sich nicht nur auf Labor- und Mess-Werte.</P><P>Ganz nebenbei raten sie ihren Patienten zur Einlegung von Ruhephasen und zum Erlernen von Entspannungs- und Meditationsübungen.</P><P>Prof. Peter Nawroth, Direktor der Abteilung Innere Medizin I am Uniklinikum Heidelberg, ist Diabetologe. Als solcher weiß er, dass seine Patienten unter permanenter Belastung stehen, weil Diabetes auf den Organismus wie Dauerstress wirkt. Stress erleben auch Menschen, die ständig am Arbeitsplatz unter Druck stehen, kaum sozialen Rückhalt haben und dem Leben nur wenig Positives abgewinnen können. Solche Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall.</P><P>"Die Konzentration von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin ist bei ihnen derart erhöht, dass sie allmählich die Blutgefäße verändern und schädigen", sagt Nawroth. </P><P>Da bei Diabetikern Gefäßschäden wie der von Durchblutungsstörungen geschädigte diabetischer Fuß oder Netzhautablösungen auftreten, die nur langwierig und teuer zu behandeln sind, wollte der Stoffwechselexperte wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Stress gibt. </P><P>Das Ergebnis: Beide aktivieren in Zellen die gleichen Moleküle, das wurde an Zellkulturen, Tiermodellen und zuletzt am Menschen nachgewiesen.</P><P>Vereinfacht sieht der Prozess so aus: Stresshormone binden an die Zelloberfläche über bestimmte Andockstellen (Rezeptoren), die wiederum verschiedene Signalstoffe im Zellplasma aktivieren. Wie beim Stafettenlauf übermitteln sie eine Nachricht hinein zum Zellkern. Die Botschaft: Sofort das Molekül NF-kappaB aktivieren. Das Molekül veranlasst die Zelle zur Produktion von Gerinnungs-, Entzündungs- und Abbauproteinen. Nawroth: "Solche Reaktionen sind Folgen äußerer Angriffe auf Zellen. Das können UV-Strahlen sein, Medikamente, Verletzungen der Zelloberfläche, strukturelle Veränderungen, etwa durch zu hohen Blutzucker, oder Stress, wie wir nun gezeigt haben."<BR></P><P> </P><P> </P>

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