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Jahrhunderte nach seiner Entstehung wird der Struwwelpeter noch immer kontrovers diskutiert.

200. Geburtstag vom Vater des Struwwelpeters

Er war Leichenbeschauer und Psychiatriereformer, doch bekannt wurde er durch ein Kinderbuch: Der Struwwelpeter-Autor Heinrich Hoffmann wurde am 13. Juni vor 200 Jahren geboren.

Er gilt als Mitbegründer der modernen Psychiatrie, die Errichtung der „Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt am Main sah er selbst als sein eigentliches Lebenswerk. Der Allgemeinheit ist Heinrich Hoffmann jedoch vor allem als Autor des Struwwelpeters bekannt. Am Samstag, 13. Juni, jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal - Grund für Frankfurt, den Sohn der Stadt mit zahlreichen Veranstaltungen zu ehren.

„Der Schlingel hat sich die Welt erobert, ganz friedlich, ohne Blutvergießen, und die bösen Buben sind weiter auf der Welt herumgekommen als ich“, schrieb Hoffmann in seinen Lebenserinnerungen über den Struwwelpeter. Wohl kein anderes Bilderbuch weist so eine internationale Karriere auf. Die Geschichten vom Suppen-Kaspar oder dem Zappelphilipp wurden in 40 Sprachen übersetzt, die Geschichte von Paulinchen inspirierte die Band Rammstein zum Song „Hilf mir“. Wie das Buch entstanden ist, erzählte Hoffman 1871. Im Internet findet man den kompletten Text auf deutsch, englisch und französisch, animiert und als Hörbuch vorgelesen. Ihr Wissen können Sie im Struwwelpeter-Quiz testen.

Heinrich Hoffmann wurde durch das Buch weltweit berühmt.

Die phänomenale Wirkungsgeschichte des Struwwelpeters beschäftigt Medizin- und Literaturhistoriker, Erziehungswissenschaftler und Psychoanalytiker und sorgte für zahlreiche Kontroversen. Die Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts, Marianne Leuzinger-Bohleber, forderte zuletzt, das Buch aus den Kinderzimmern zu verbannen. Vorschul- und Grundschulkinder verfügten nicht über die Fähigkeit, sich von den sarkastischen und ironischen Übertreibungen der Geschichten zu distanzieren, könnten verängstigt oder sogar traumatisiert werden. Anhänger der antiautoritären Erziehung verfassten als Protest 1970 den Anti-Struwwelpeter.

Hans-Heino Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung der Frankfurter Goethe-Universität, lobte dagegen Hoffmanns Blick auf Kinder, der sich von der Verniedlichung der Kindheit in seiner Zeit deutlich abhob. „Für Hoffmann waren undisziplinierte, unbeherrschte, triebgesteuerte, kurz: unartige Kinder etwas völlig Normales“, erklärt er. Die Struwwelpeter-Geschichten wollten höchst elementare Verhaltensmaßregeln bieten, indem sie warnten und sehr drastisch abschreckten.

Er starb am 20. September 1894 nach einem Schlaganfall und wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben. Anlässlich seines 200. Geburtstags veranstaltet das Kulturamt Frankfurt am Main noch bis zum 20. September gemeinsam mit zahlreichen Partnern den Heinrich Hoffmann Sommer 2009. Nicht nur das Struwwelpeter-Museum wird sich dann besondere Aktionen einfallen lassen.

ap

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