Studenten auf Herbergssuche

- Kreuz und quer hängen Zettel an meterlangen Wänden in der LMU-Mensa. "Hilfe! - suche dringend ein Zimmer!" steht auf einem gelben Blatt, "WG gesucht" auf einem roten. Doch dafür interessiert sich Michael Burger nicht. Der Student hat einen unscheinbaren weißen Zettel entdeckt, ein Zimmer zur Untermiete - wie viele andere kurz vor Semesterstart sucht auch er eine Unterkunft.

Vor zwei Tagen ist der 30-Jährige aus Dresden angereist, wo er Produktgestaltung studiert. Jetzt will er ein Praktikum in München machen - eine Bleibe hat er noch nicht gefunden. Entweder sind die Wohnungen schon vergeben oder zu teuer. "Und wenn alles andere passen würde, dann wollen sie eine weibliche Mitbewohnerin", sagt Burger frustriert. Eine Chance auf einen Platz im Wohnheim hat er nicht. "Dafür muss man hier eingeschrieben sein", sagt er.

Doch auch wer in München studiert, muss bei der Wohnungssuche viel Geduld mitbringen. Denn noch immer ist der Mangel an günstigen Zimmern groß. 9200 Plätze hat das Studentenwerk zu vergeben. Etwa zehn Mal mehr Studenten gibt es. Wartezeiten von zwei Semestern und mehr sind nicht selten. Immerhin gibt es Ausnahmen: Behinderte Studenten können einen Härtefallantrag stellen. Sie dürfen dann früher in eines der wenigen behindertengerechten Zimmer einziehen. Spezielle Wohnungen gibt es auch für Studierende mit Kind und Ehepaare.

Eine Chance bietet der Erstsemestertag. Hier können Studienanfänger und München-Neulinge mit viel Glück sofort einen der begehrten Plätze ergattern: Das Studentenwerk verlost 100 Wohnheimplätze (siehe Kasten). Doch bei rund 600 Bewerbern sind die Erfolgsaussichten gering. Wer kein Glück hat, kann sich um einen Wohnheimplatz bei einem privaten Träger bewerben, darunter viele kirchliche Einrichtungen. Wer ein Zimmer zur Untermiete bevorzugt, dem hilft die Privatzimmervermittlung des Studentenwerks weiter.

Eine Alternative ist das Projekt "Wohnen gegen Hilfe" (siehe Kasten). Seit 1996 bieten Senioren kostenlose Unterkünfte - als Gegenleistung helfen die Studenten im Haushalt, kaufen ein und erledigen Behördengänge. Eine Stunde Arbeit pro Quadratmeter ist die Zimmermiete.

Das Studentenwerk verlost Wohnheimplätze

Wer selbst eine preiswerte Unterkunft finden will, für den heißt es Zeitungsanzeigen durchforsten, Aushänge studieren und im Internet stöbern: "Total frustrierend", meint Alke Habbe. Die 22-Jährige Studentin will ein Praktikum machen und anschließend in München weiterstudieren. "Meine Freunde haben mich gewarnt. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es hier so schwierig ist."

Dr. Anke van Kempen, Sprecherin des Studentenwerks, schätzt die Lage ähnlich ein. "Allerdings ist es nicht mehr so dramatisch wie im Wintersemester 2000/2001", sagt sie. Unter der Brücke muss aber niemand schlafen. Wer bis zum Semesterstart nichts gefunden hat, dem hilft das Studentenwerk mit einer Notunterkunft. "Das wird kein Platz in einer Turnhalle wie im Jahr 2000 sein", meint Anke van Kempen. "Normalerweise werden einfach Zimmer vorübergehend doppelt belegt."

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