Studenten im Rausch der Formel 1

- In der kleinen Werkstatt in der Münchner Fachhochschule (FH) herrscht Hochbetrieb. Drei Studenten hämmern und schweißen an der Werkbank. Es ist heiß und stickig. Nur noch wenige Tage bis zum "Roll-Out". Dann muss jede Schraube sitzen. Denn am 23. Juni wollen die Studenten des FHM Racing Teams ihr Werk der Öffentlichkeit präsentieren: den Rennwagen "PW06".

Nicht nur das Rennen entscheidet über den Sieg

Noch braucht man viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass aus der torpedoförmigen, stahlgrauen Karosserie schon bald ein Rennwagen entstehen wird. Beim Blick ins Wageninnere wird eine Konstruktion aus Metallrohren sichtbar. "Der Rahmen", wie die Fahrerin Stephanie Almesberger erklärt. "40 Meter Metallrohr sind darin verbaut." Das Chassis ist das Werk von Christoph Steinberger und seinem Team. Das Herz des Rennwagens ist ein Motorradmotor mit 80 PS - zusammengebaut unter den Argusaugen von Matthias Reindl. Nur rund 300 Kilogramm wird das fertige Auto wiegen. Entsprechend schnell wird das Leichtgewicht unterwegs sein - bis zu 200 Kilometer pro Stunde.

Wenn Anfang August am Hockenheimring die Motoren aufheulen, sind auch die Münchner Studenten am Start. Dann werden sie gegen ihre internationale Konkurrenz antreten. Doch nicht allein das Rennen entscheidet über Sieg und Niederlage. "Das Ganze ist als Konstruktionswettbewerb gedacht, in dem die Formel 1- ähnlichen Wagen nicht nur Geschwindigkeit auf der Strecke beweisen müssen", erklärt Stefanie Almesberger. Am Ende entscheidet eine Experten-Jury: Neben dem Rennen fließen auch Finanzplanung, Konstruktion und Präsentation des Autos in die Bewertung mit ein.

Doch am meisten freuen sich alle auf das Rennen. Die Belohnung für ein Jahr harte Arbeit. "Unser Ziel ist durchzuhalten und bester Neueinsteiger zu werden", erklärt Tina Barth. "Denn rund zwei Drittel der Autos fallen aus." Zusammen mit Sebastian Piprek, dem Leiter, koordiniert sie das Projekt. Stefanie Almesberger und Tina Barth werden als Fahrerinnen mit dabei sein. "Wir haben bewusst nur Frauen ausgewählt, weil wir uns von den vielen anderen deutschen Teams abheben wollen", sagt Barth. Damit ist ihnen viel Aufmerksamkeit sicher, vor allem von den Sponsoren. Und diese brauchen sie dringend zur Finanzierung, auch wenn der Wagen nicht mehr als 25 000 US-Dollar kosten darf - so schreibt es das Regelwerk vor.

Frauen-Team soll die Sponsoren begeistern

Unzählige Stunden verbringen die Studenten am Computer, in der Werkstatt oder an Messeständen. Ein aufwändiges Projekt, zu dem Professor Jörg Grabner den Anstoß gegeben hat. Denn nirgendwo anders können Studenten so viele praktische Erfahrungen sammeln. "Bei einem Praktikum in einer Firma darf man vielleicht mal einen Rückspiegel konstruieren", meint Tina Barth. "Hier bauen wir ein ganzes Auto."

1. Öffentliche Präsentation des Rennwagens am 23. Juni um 19 Uhr an der FH München, Lothstr. 64

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