S-Bahn München: Personen im Gleis - Stammstrecke dicht

S-Bahn München: Personen im Gleis - Stammstrecke dicht
+
Breitbandanschlüsse sind oft deutlich langsamer als Anbieter ihre Kunden glauben lassen.

So wehren Sie sich gegen Provider-Lügen

Studie: "Highspeed"-Internet? Von wegen!

Bonn - Mit "Highspeed-Internet" und Spitzen-Übertragungsraten werben die Provider. In der Praxis sind ihre Leitungen aber meist deutlich langsamer als versprochen. Jetzt drohen Strafgelder.

Beim "schnellen Internet" halten viele Versorger ihre Versprechen hoher Spitzenübertragungsraten nicht ein: Die Breitbandanschlüsse erreichten in den allermeisten Fällen nicht die versprochenen und oft breit beworbenen Maximalwerte, berichtete die Bundesnetzagentur nach einer Untersuchung.

Der Vergleich zu Studien aus den Jahren 2012 und 2013 habe gezeigt, dass die Internetbranche mit dem aktuellen Ergebnis keine wesentlichen Verbesserungen erreicht habe. Im Festnetz hätten nur rund zwölf Prozent der Anschlüsse tatsächlich die vertraglich zugesicherte Maximalgeschwindigkeit geliefert, bei Mobilfunkanschlüssen waren es nur rund fünf Prozent, heißt es in der Studie

Beim Festnetz seien vor allem die kleineren Leitungen zwischen 8 und 18 Mbit pro Sekunde mit schlechten Leistungen aufgefallen. Leitungen der höchsten Klasse zwischen 200 und 500 Mbit schnitten vielfach besser ab. Dort gebe es aber in der abendlichen intensiven Nutzungszeit Probleme - möglicherweise, weil sich dann mehrere Kabelanschlusskunden die bestehenden Kapazitäten teilen müssten.

Insgesamt hätten immerhin die Hälfte der Festnetznutzer mindestens 60 Prozent der vereinbarten Datenrate auch tatsächlich bekommen, sagte Netzagenturchef Jochen Homann.

Beim Mobilfunk liegt das Leistungsniveau laut Netzagentur noch deutlich unter den Festnetzangeboten. Vor allem hohe LTE-Geschwindigkeiten von 300 Mbit pro Sekunde, die viele Mobilfunk-Anbieter in der Werbung versprechen, würden in der Praxis nur "in Ausnahmefällen" erreicht.

Für die Studie wurden die Anschlüsse von gut 106.000 Festnetz- und knapp 54.000 Mobilfunkkunden gemessen, die zwischen September 2015 und September 2016 ein entsprechendes kostenloses Angebot der Behörde in Anspruch genommen hatten. 

Bundesnetzagentur macht Anbietern Druck

Die Breitbandmessung der Bundesnetzagentur schaffe Transparenz und verstärke den Handlungsdruck auf die Anbieter, erklärte die Behörde. "Wenn die Anbieter zukünftig weiter keine realistischen Geschwindigkeitsangaben machen, kann die Bundesnetzagentur gegen einzelne Unternehmen Verfahren durchführen", sagte ein Behördensprecher. 

Die Forderung nach Sanktionen bei hohen Abweichungen von der vertraglichen Übertragungsgeschwindigkeit hatten bereits die Grünen im Bundestag erhoben. Sie stützten sich dabei auf eine EU-Verordnung, nach der kontinuierlich abweichende Leistungen der Anbieter ihre Vertragstreue in Frage stellen.

Bandbreite messen und Nachbesserung fordern

Ob der Internetanschluss die vertraglich vereinbarten Geschwindigkeiten liefert, können Kunden auf der Webseite Breitbandmessung.de der Bundesnetzagentur prüfen. Für Mobilfunknutzer gibt es die App Breitbandmessung für Android und iOS. Sind die gemessenen Werte deutlich niedriger, sollten Kunden beim Anbieter Nachbesserung fordern, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dazu sollten Anschlussinhaber an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten messen und die Ergebnisse protokollieren.

Liegen die gemessenen Werte dauerhaft unter den im Vertrag angegebenen Geschwindigkeiten, können Kunden dem Anbieter schriftlich eine Frist zum Nachbessern setzen und sich weitere Schritte vorbehalten. Tritt keine Besserung ein, dürfen sie in vielen Fällen den Vertrag vorzeitig kündigen. Allerdings funktioniert das nicht immer reibungslos. Bevor sie als letzten Ausweg eine Klage erwägen, sollten sie aus Sicherheitsgründen ein technisches Gutachten einholen.

Der Rat der Verbraucherschützer: Zunächst einmal nachsehen, welche Möglichkeiten der Anbieter für Entschädigungen oder Erstattung bei Minderleistung anbietet. Je nach Anbieter kann eventuell ein weniger schnelles Angebot gebucht werden. Dann zahlen Kunden am Ende immerhin weniger.

Kann ein Anbieter die versprochene Übertragungsgeschwindigkeit dauerhaft nicht erreichen - etwa weil es vor Ort gar nicht technisch möglich ist -, haben Kunden nach einem Urteil des Amtsgerichts Fürth (Az.: 340 C 3088/08) ein Sonderkündigungsrecht.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zukunftsforscher Opaschowski ruft zu „digitaler Diät“ auf
Weder ein Like noch ein Dislike, sondern ein Boykott der sozialen Medien. Das fordert der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski und appelliert an die Jugend: …
Zukunftsforscher Opaschowski ruft zu „digitaler Diät“ auf
Apple verschiebt Marktstart seines smarten Lautsprechers
Der HomePod kommt doch nicht mehr im Jahr 2017 auf den Markt. Apple teilte am Freitag mit, man benötige „ein wenig mehr Zeit“.
Apple verschiebt Marktstart seines smarten Lautsprechers
„I bims“ zum „Jugendwort des Jahres“ gekürt: Was bedeutet dieser Begriff, bitte?
Den Begriff „I bims“ liest und hört man immer öfter. Erst recht, nachdem er zum „Jugendwort des Jahres 2017“ gekürt wurde. Was ist das für ein Ausdruck? Wir erklären die …
„I bims“ zum „Jugendwort des Jahres“ gekürt: Was bedeutet dieser Begriff, bitte?
Bei Whatsapp kursiert falsches H&M-Gewinnspiel
Achrung, WhatsApp-Nutzer: Die Modekette H&M warnt vor einem betrügerischen Kettenbrief, der derzeit in dem Messenger verschickt wird.
Bei Whatsapp kursiert falsches H&M-Gewinnspiel

Kommentare