Studienabbrecher brauchen Hilfe

- Das Studium der Geisteswissenschaften führt für viele Studenten ins berufliche Abseits: 58 Prozent der Studierenden in den Sprach-/Kulturwissenschaften und Sport geben vorzeitig auf, in den Sozialwissenschaften sind es 42 Prozent, wie die "Studienabbruchstudie 2002" des Hochschul-Informations-Systems Hannover (HIS) ergab.

<P>Auch in der Informatik und den Wirtschaftswissenschaften ist die Entwicklung bedenklich: Die Abbruchquoten betragen 37 Prozent und 31 Prozent.<BR>Im Fächer-Durchschnitt verlässt nach der Studie jeder vierte deutsche Student die Universität ohne Abschluss.</P><P>"Die Kluft zwischen Gymnasium und Hochschule ist eine der Ursachen für dieses Problem", meint dazu der Präsient der TU München (TUM), Prof. Wolfgang A. Herrmann. Um eine Brücke zwischen Schule und Hochschule zu schlagen, habe die TUM ein Betreuungsprogramm für die Gymnasium ins Leben gerufen. Derzeit würden 50 Gymnasien durch TUM-Professoren betreut.<BR>Neue Eignungsfeststellung an der TUM ist ein Hit<BR> <BR>"Die jungen Leute sind auch meist viel zu wenig über das Profil und das Niveau des gewählten Studiengangs informiert", so Herrmann weiter. "Wir hatten in Informatik bis zum Vordiplom 50 Prozent Studienabbrecher, das konnte so nicht weitergehen, und ich bin froh, dass wir mit der Eignungsfeststellung einen Weg gefunden haben, um dies künftig zu verhindern."</P><P>Über 700 Bewerber haben sich zum Eignungstest für Informatik angemeldet, der im August anläuft. In Chemie haben sich 150 Abiturienten beworben, in Mathematik 300: "Das ist phänomenal. Das wird der Weg der Zukunft sein", so Herrmann zufrieden. "Bei der Eignungsfeststellung wird jeder wahrgenommen in seinen Erwartungen und Fähigkeiten. Denn er muss einen Studiengang finden, der seinen Neigungen und Möglichkeiten entspricht."</P><P>Den Eignungstest gibt es heuer an der TUM in den Fächern Mathe, Chemie, Informatik, Technomathematik, Finanz- und Wirtschaftsmathematik sowie Bioinformatik.<BR>Die Widerstände waren zunächst groß gegen den Test. Erst nach zähem Tauziehen gab der Landtag seine Zustimmung zur Erweiterung der Experimentierklausel. Sie erlaubt nun in Bayern eine Eignungsfeststellung, wenn sie gut begründet wird.</P><P>Mit beruflicher Neuorientierung oder Geldproblemen begründeten 17 Prozent der Studienabbrecher ihren Misserfolg, Motivationsprobleme nannten 16 Prozent, schlechte Leistungen elf Prozent. <BR>Bei der Eignungsfeststellung wünscht sich Wissenschaftsminister Hans Zehetmair eine stärkere Beteiligung der Unis. Doch nicht nur die Hochschulen sollten sich ihre Studenten auswählen, sondern auch die Studienbewerber ihre Hochschulen. "Damit übernehmen sie früh Verantwortung für ihre Ausbildung."</P><P>IRMI SCHWARTZ</P>

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