Studienobjekt Deutschland

- Ihr Thema ist die deutsche Philosophie oder die deutsche Literatur. Ihre Arbeiten aber entstehen im fernen Kanada. Jetzt bekamen zwölf Studenten die Chance, die Heimat ihrer Forschungsgebiete erstmals live zu studieren. Seit Mai besuchen sie ein interdisziplinäres Intensiv-Seminar in München und Berlin.

Thema ist "Deutschland und Europa - Geschichte und Aktualität einer komplexen Beziehung". Der Deutsch-Kanadier Martin Bonert, 34, aus Toronto ist mit seiner Familie als Kind nach Kanada ausgewandert. Er kennt München bereits. "Erstaunlich, wie die Fußball-WM die Stadt verwandelt hat." Im Verhalten entdeckt er Unterschiede zwischen Kanadiern und Münchnern: "Deutsche sind direkter, wenn es um negative Dinge geht", sagt er und erzählt ein kleines Erlebnis mit einem deutschen Busfahrer. "Als ich nach der Richtung fragte, sagte der nur: ,Da sind Sie ja völlig falsch’." Unvorstellbar sei es, dass man das in Kanada derart unverhohlen entgegengeschleudert bekäme.

Das überschäumende WM-Fieber in München ist nicht jedermanns Sache. Die 29-jährige Philosophie-Studentin Martine Béland fühlt sich in München derzeit wie auf der Flucht. Sie versucht, den Fan-Massen zu entkommen. Begeistert ist sie dagegen von der bayerischen Tracht, wenn ihr ein Mann in Lederhose oder eine Frau im Dirndl über den Weg läuft. Magdalena Panz stammt aus Polen, studiert aber in Montré´al. Die 24-Jährige fühlt sich in München fast ein wenig heimisch. "Ich spüre hier den katholischen Einfluss wie in Polen", sagt sie. "Das Essen ist hier auch so frisch wie in meiner Heimat."

Der 24-jährige Student Jeremy Weyerman aus Victoria spürt in Deutschland eine Distanz zwischen den Menschen, größer als in Kanada. "Aber in Bayern ist das nicht so", sagt er. Die Deutschen findet er insgesamt sehr nett. "Allerdings in Bayern noch mehr." Das Einzige, was ihm hier etwas auf die Nerven geht, sind die US-amerikanischen Touristen. "Die sind oft recht laut", findet Weyerman. In einem Punkt aber sind sich die Studenten einig: "München ist auf jeden Fall eine schöne Stadt."

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