Zum Studieren von Miami nach München

Amerikaner an der LMU: - Das gedämpfte Licht der Wintersonne fällt auf die tiefschwarzen Bücherregale, in denen die Werke von Goethe und Schiller stehen. Im nächsten Regal reihen sich amerikanische Kriminalromane von Steven King aneinander. Über den Regalen der Bibliothek hängen die farbenfrohen Wimpel mehrerer amerikanischer Universitäten, daneben ein Bild vom bayerischen Königssee aus dem vergangenen Jahrhundert.

Hier, in der Richard-Wagner-Straße in München, studiert James Hollis für ein Jahr an der Ludwig-Maximilians-Universität. Er ist einer von 162 Amerikanern, die ein Jahr in der Landeshauptstadt zu Gast sind. Der 20-Jährige, der eigentlich in Cleveland an der Universität Miami eingeschrieben ist, hat sich sehr genau überlegt, wo in der Bundesrepublik er sein Auslandsjahr verbringen will. "Ich habe Deutschland schon mehrere Male bereist, mir die großen Städte angeschaut und mich dann für die schönste entschieden", erzählt Hollis, der gerade aus seinem Seminar "Deutsch als Fremdsprache" kommt. Jetzt will er noch etwas stöbern in der benachbarten Bibliothek, die das US-Austauschprogramm "Junior Year in Munich" für die Studenten aus den USA eingerichtet hat.

Seit sechs Jahren lernt Hollis Deutsch und spricht es fast perfekt. In München lebt er seit vier Monaten, er wohnt in einer gemütlichen Bude in der Studentenstadt. "Wir feiern dort natürlich viele Feste", erzählt Hollis und freut sich, dass er in München ohne Probleme auch einmal Alkohol trinken darf. In den USA ist das erst ab dem Alter von 21 Jahren erlaubt. Zudem gibt es strenge Kontrollen.

Hollis genießt die Studienbedingungen in Deutschland. "Hier ist das Studium nicht so verschult wie in Amerika", erzählt er. "Wir haben viel mehr Freiheiten und können uns entscheiden, welche Kurse wir belegen wollen."

Studium in Cleveland kostet 28 000 Dollar pro Jahr

Ein Schmunzeln kommt Hollis über die Lippen, wenn er an die hitzigen Debatten um die deutschen Studiengebühren von 500 Euro pro Semester denkt. An seiner Universität in den USA kostet ein Jahr 28\x0f000 Dollar. Finanziert wird die Ausbildung über mehrere Stipendien und Darlehen, für die man sich als Student bewerben muss.

Außer dem Seminar "Deutsch als Fremdsprache", das alle amerikanischen Studenten in München besuchen, hat Hollis noch einen Politik- und einen Literaturkurs belegt. Schriftsteller will er einmal werden und weiß, dass dieses Vorhaben nicht einfach sein wird, weder in den USA noch in Deutschland. Doch abbringen lassen will er sich von seinem Ziel auf keinen Fall.

Mit der deutschen Art zu leben hat sich Hollis längst angefreundet. So kann er es sich auch gut vorstellen, in der Bundesrepublik zu leben. Doch zuerst will er in den USA sein Studium abschließen. Das Einzige, was er hier wirklich vermisst: "Mein Auto", sagt er.

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