Studium á la Bologna schmeckt nicht allen

- Der Bologna-Prozess schreitet voran. Viele Studiengänge sind schon auf die Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Zum Wintersemester folgen an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die Studiengänge Betriebswirtschaft und Chemie. Doch neben den Befürwortern der Umstellung erheben nun auch Kritiker die Stimme.

 "Viele Kollegen sind keine begeisterten Bologna-Anhänger", sagt Hans-Jörg Schmied, Lehrstuhlinhaber für Moderne Englische Sprachwissenschaften. Zu viele ungeklärte Fragen werfe die Umstellung auf, die an der LMU bis 2009 abgeschlossen sein soll.

In den Geisteswissenschaften etwa müssten studienbegleitende Prüfungen erst eingeführt werden, erklärt LMU-Rektor Bernd Huber. Die Konsequenz sei neben einem erhöhten Verwaltungsaufwand auch eine "Änderung der Studienkultur". Das heißt: Die Studenten müssten sich auf ein stärker verschultes System einstellen. Zwar soll die Möglichkeit, zwei Nebenfächer frei zu wählen, in den Geisteswissenschaften so weit wie möglich erhalten bleiben, "doch die enorme Bandbreite wird nicht mehr bestehen", prophezeit Schmied. Bei den Sozialwissenschaftlern wird es zum Beispiel im Fach Politik die Wahl von zwei Nebenfächern "auf keinen Fall mehr geben", sagt Julian Nida-Rümeln, geschäftsführender Direktor des Geschwister-Scholl-Instituts für Politische Wissenschaft.Kritisch sehen Professoren vor allem eine Beschränkung der Studienzeit auf drei Jahre bis zum Bachelor und weitere zwei Jahre für den Master. "Gerade die Fremdsprachenphilologien haben einen hohen Anteil an sprachpraktischem Unterricht. Wenn die Studenten für ein Jahr ins Ausland gehen sollen, ist ein Bachelor in drei Jahren nicht machbar", erklärt Schmied.Zudem hätten US-Universitäten angekündigt, einen dreijährigen Bachelor nicht als adäquaten Abschluss anzuerkennen. Schmied: "Das Ziel der höheren Mobilität und stärkeren Internationalisierung hat sich damit erledigt." Nida-Rümelin spricht sich deshalb für einen vierjährigen Bachelor aus. Dies hätte allerdings zur Folge, dass der darauf aufbauende Master nur ein Jahr in Anspruch nehmen dürfte. Ein einjähriger Master wiederum "ist nicht mehr dazu geeignet, auf eine wissenschaftliche Karriere hinzuführen", befürchtet Schmied.Reform-Befürworter Huber räumt ein, dass es "berechtigte Bedenken" gebe. Unklar ist bislang auch, inwieweit die Wirtschaft vor allem ein Bachelor-Zertifikat als vollwertig anerkennt. "Das Einstellungsverhalten der Unternehmen ist da entscheidend", sagt Huber und fügt hinzu: "Hier besteht ein gewisses Risiko."

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