Auf der Suche nach der Sprache der Druiden

- Was hat Asterix mit König Artus und den Rittern der Tafelrunde zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Kämpft doch der Comic-Held in Gallien gegen die Römer, während die mythischen Heroen in Britannien herrschen. Doch gehören Asterix und Artus demselben Volk an: Sie sind Kelten.

Ob König Artus wie Asterix ins Reich der Fantasie gehört, darüber streiten die Forscher noch. Kein Hirngespinst sind indes die Kelten selbst. Noch gibt es in Europa keltische Sprachen: Bretonisch in der Bretagne, Kymrisch in Wales, Gälisch in Schottland, Irisch in Irland. Dass die Wurzeln der Sprachen nicht verloren sind, verdanken wir einem Sprachforscher aus Kronach, der an der Münchner Universität Geschichte lehrte: Die moderne Keltenforschung feiert heuer den 200. Geburtstag und 150. Todestag von Johann Kaspar Zeuß. Seine "Grammatica Celtica" lieferte 1853 den Schlüssel zum Verständnis der mittelalterlichen keltischen Sprachen.

"Zeuß muss ein Sprachgenie gewesen sein", sagt Erich Poppe, Professor für Keltologie an der Universität Marburg. Er habe als Erster die ältesten Quellen für die keltischen Sprachen systematisch gesammelt - und die richtigen Schlüsse gezogen: Das Sprachgebäude, das Zeuß in der "Grammatica Celtica" baute, ist noch heute weitgehend gültig.

Doch wie kommt ein Franke aus Kronach zu Kymrisch und Gälisch? Über die Bayern: Denn zwischen 1200 v. Chr. und Christi Geburt besiedelten die Kelten weite Teile West-, Mittel- und Südeuropas - und das heutige Bayern. Heute erinnern nur die Namen einiger Orte an die ständisch gegliederte Kultur mit ihren Hügelgräbern und Druiden. So wurde das keltische "Cambodunon", "Burg an der Flussbiegung", zum heutigen Kempten.

Anfang des 19. Jahrhunderts kam dann eine waghalsige Theorie in Mode: Die Bayern sollen von den Kelten abstammen. Zeuß, der in München Philosophie studierte und beim Grafen von Montgelas als Hauslehrer gearbeitet hatte, hielt nichts von dieser "Keltomanie": Um zu beweisen, dass Bayern und Kelten nichts miteinander zu tun haben, machte er sich an das Studium des Keltischen. Im Jahr 1837 - Zeuß unterrichtete an einem Münchner Gymnasium - erschien sein Werk "Die Herkunft der Baiern von den Markomannen".

Zeuß wechselte an ein Gymnasium in Speyer und erhielt 1847 einen Ruf nach München, ging wegen einer Lungenschwäche aber bald an die Hochschule in Bamberg. Da die keltischen Textquellen über viele Länder Europas verstreut sind, unternahm Zeuß in dieser Zeit ausgedehnte Reisen: In St. Gallen, Mailand, London und Oxford klapperte er alle wichtigen Bibliotheken ab. In Würzburg entdeckte er die altirischen Glossen neu: handschriftliche Anmerkungen am Seitenrand lateinischer Texte. Er entzifferte die gelehrten Notizen, schriebt sie mit der Hand ab und ordnete sie in ein grammatisches System.

Drei Jahre nach dem Erscheinen seines Hauptwerks, der "Grammatica Celtica", starb Johann Kaspar Zeuß am 10. November 1856 in Vogtendorf. Das Interesse an den Kelten und ihren Sprachen ist seither nicht mehr abgerissen: So kann man an der Universität Marburg seinen Bachelor in Keltologie machen, und auch an den Universitäten Bonn und Wien ist die Keltologie als eigenes Fach vertreten.

Auch die Fantasie regen die Kelten noch heute an. Jeder, der "Herr der Ringe" gelesen hat, hat auch "keltisch" gelesen: So entzückt war Tolkien vom Kymrischen in Wales, dass er die Elbensprache Sindarin seinen Klängen nachempfunden hat.

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