Suche nach Wasser im Wüstensand

- Wenn die Geographen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) die Grundwasservorräte der Wüste untersuchen wollen, dann steigen sie in Flugzeuge. Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) erforschen die Münchner Geowissenschaftler jetzt aus der Luft, wie sich die Grundwasserspeicher und die Wüstenbildung in Südtunesien verändern.

"Das Gebiet wird von den Menschen immer stärker landwirtschaftlich genutzt", erklärt Professor Wolfram Mauser, einer der Leiter der Messkampagne "AquiferEx". "Wir wollen herausfinden, wie sich die veränderten Nutzungsbedingungen auf das Ökosystem auswirken", sagt er. Dazu haben die Münchner Fernerkundler nun ein neues System entwickelt, das mit einem Spektrometer die Vegetation aufzeichnen kann. Zugleich wird mit Radarsensoren die Feuchtigkeit des Bodens analysiert. Mit dem etwa koffergroßen Kasten, in dem das komplette System eingebaut ist, fliegen sie über die tunesische Wüste und kartieren das Gebiet. Jedes der Bilder, das sie dabei anfertigen, ist ungefähr so groß wie die Datenmenge, die auf eine CD-ROM gespeichert werden kann.

"Die Sahara hat sich in den letzten 10 000 Jahren stark verändert", erklärt Mauser. "Zum Ende der letzten Eiszeit gab es hier noch Flüsse, Seen und genügend Niederschlag."

Das Wasser, das sich damals dort ansammelte, ist noch heute teilweise im Untergrund als sogenanntes fossiles Grundwasser vorhanden. "Heute wird genau dieses Wasser für die Landwirtschaft genutzt, es kann sich aber nicht wieder erneuern", erklärt Mauser. "Damit wird eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen umso wichtiger."

Zunächst werden die Münchner Geographen zusammen mit den tunesischen Kollegen erforschen, wie das fossile Wasser im Untergrund fließt und wie sich sein Verbrauch durch die Landwirtschaft in den Oasen die Region auswirkt.

Anschließend wollen die Wissenschaftler mit den neuen Erkenntnissen Strategien für die wachsende Bevölkerung in den Gebieten entwickeln, wie sie mit dem kostbaren Nass nachhaltig ihre Landwirtschaft betreiben können.

Das Projekt "AquiferEx" ist Teil des großen Erdbeobachtungskonzepts GEOSS (Global Earth Observation System of Systems), das über die nächsten Jahrzehnte Daten, die durch Fernerkundungsmethoden über unseren blauen Planeten gewonnen werden, auf einer einheitlichen Internet-Plattform zur Verfügung stellen soll. "Ein solches System könnte uns dann viele neue Erkenntnisse über die Ökosysteme der Erde liefern", meint Mauser.

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