Die tägliche Medizin

- Stechende Schmerzen durchziehen den Kopf, Übelkeit zwingt ins Bett, jedes Geräusch wird zur Qual: Rund 8 Millionen Deutsche leiden an Migräne, schätzt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Helfen kann eine neue Operation, die es jetzt auch in München gibt.

"Entscheidend für den Erfolg ist die Auswahl der Patienten", sagt Dr. Thomas Muehlberger, Leiter des Migräne-Chirurgie-Zentrum (MCZ) an der Münchner Schreiber-Klinik. "Der Patient muss in der Lage sein, die Schmerzpunkte zu lokalisieren", erklärt er. Denn bei vielen drückt ein verspannter Muskel auf einen Nerv. Wird er entfernt, verschwinden die quälenden Schmerzen.

Muskeln an Stirn, Schläfe oder Nacken erschlaffen

Doch längst nicht jeder Kopfschmerz ist eine Migräne: Bei rund 150 Arten des Schmerzes fällt die Unterscheidung nicht leicht. Die Patienten müssen erst einen Fragebogen ausfüllen. Steht die Diagnose fest, folgt der sogenannte Botox-Test: Eine Spritze mit dem Nervengift Botulinum-Toxin lässt bestimmte Muskeln an Stirn, Schläfe oder Nacken erschlaffen - acht Wochen hält die Wirkung an. In dieser Zeit führen die Patienten Protokoll: Nur wenn die Migräneanfälle schwächer und seltener werden, bringt die Operation Erfolg.

Auch ein Jahr nach der OP frei von Beschwerden

Eine Wirkung, die US-Mediziner durch Zufall entdeckten: Dort ließen sich Patienten einen Muskel zwischen den Augenbrauen entfernen, um ihre Zornesfalten loszuwerden. Bei den Migräne-Patienten darunter verschwanden mit den Falten auch die Schmerzen. Seither sind weltweit bereits rund 1500 Patienten behandelt worden. Etwa 300 Patienten hat allein Muehlberger operiert: "Etwa 35 Prozent der Patienten waren vollständig frei von Migräne-Beschwerden", sagt er. "und das auch noch ein Jahr nach dem Eingriff." Bei weiteren 55 Prozent seien die Migräne-Attacken viel seltener und leichter geworden.

Komplikationen sind aber auch bei der Migräne-OP möglich: Beschädigt der Operateur einen Nerv, kann ein Taubheitsgefühl auf der Stirn zurückbleiben. Bislang ist das aber noch nie passiert. Alle Operierten müssen allerdings damit leben, dass sie keine Zornesfalte mehr machen können. Für ein Leben ohne Kopfschmerz nimmt das aber fast jeder in Kauf. Allerdings könnten die Kosten abschreckend wirken: Denn die rund 4000 Euro übernehmen bislang nur wenige Krankenkassen.

Weitere Informationen:

www.dmkg.de (Deutsche Kopfschmerzgesellschaft)

www.m-c-z.de (Migräne-Zentrum)

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