Die Tägliche Medizin

- Es ist späte Nacht. Die meisten Menschen sind im Tiefschlaf. Doch nicht wenige laufen Treppen oder sitzen auf dem Fahrrad-Heimtrainer. Andere können nicht einschlafen, es ruckt, zuckt, kribbelt, reißt und zieht schmerzhaft, sobald sie sich in die Kissen kuscheln. Schuld daran ist eine quälende Unruhe und der unwillkürliche Zwang, sich zu bewegen. "Dieses so genannte Restless-Leg-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung", erklärt Prof. Soheyl Noachtar, Oberarzt in der Neurologie am Klinikum Großhadern. Die Mediziner sprechen auch von unruhigen Beinen oder auch einfach von RLS.

Warme Socken helfen

Eine Studie der Klinik und Poliklinik der Universität Regensburg geht davon aus, dass rund zehn Prozent der älteren Bevölkerung davon betroffen sind. Jüngere Menschen leiden seltener unter RLS, Frauen öfter als Männer. Die Mediziner schätzen, dass in Deutschland rund 800 000 Menschen gegen die Krankheit behandelt werden müssen. RLS ist nicht heilbar, aber es gibt Therapien, jedoch kein Patentrezept. Die einen Patienten kommen zur Ruhe, wenn sie im Bett warme Socken tragen, andere duschen die Beine kalt. Aufstehen, Umhergehen, Joggen, Gymnastik, Kniebeugen, Massagen oder Kalt-Warm-Duschen können die Beschwerden kurzfristig lindern.

Medikamente wie bei Parkinson-Patienten

"Medikamente sind dann notwendig, wenn die Lebensqualität deutlich sinkt und die Zeit, in der keine Symptome auftreten, kürzer wird", erklärt Noachtar. Die Ärzte setzen dann Substanzen ein, die auch Menschen mit Parkinson helfen. Das Mittel der Wahl ist hier L-Dopa, die Vorstufe von Dopamin. Der Stoff ist mitverantwortlich für die Signalübertragung im Gehirn. Gebildet wird er in einem speziellen Bereich des Gehirns, der so genannten Substanzia nigra. Wie der Nervenbotenstoff bei RLS wirkt, ist bis heute unbekannt. Klar ist nur, dass die Substanz die Beschwerden bessert. "Zudem helfen Medikamente, die Eisen enthalten", erklärt Noachtar. Entdeckt wurde RLS vor mehr als 300 Jahren von dem britischen Arzt Thomas Willis. Bemerkenswert ist außerdem, dass sich RLS innerhalb von Familien häuft. Dies hat genetische Ursachen, die Juliane Winkelmann vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München erforscht. Das Team um Winkelmann sucht nun in einer Art Rasterfahndung nach Auffälligkeiten im genetischen Code, die für RLS verantwortlich sein könnten.

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