Taschencomputer erobern die Firmenwelt

- Hamburg - Wenn Claudia Sobek in der Hamburger Galeria Kaufhof-Filiale Kunden betreut, möchte sie ihren technischen Mini- Butler nicht missen. "Wenn ein bestimmtes Kleidungsstück gerade nicht vorrätig ist, verrät mir ein Blick auf das mobile Datenerfassungsgerät, ob in Kürze eine neue Lieferung reinkommt", sagt die Abteilungsleiterin für Damenkleidung.

<P>Der Computer in der Größe eines Walkmans tauscht über Funkantennen an der Decke Daten mit dem Zentralrechner aus, ist immer auf dem neuesten Stand.</P><P>"3700 der Geräte sind bei Kaufhof insgesamt im Einsatz", sagt die Pressesprecherin Julie Edelmann-Veith. "Sie ersparen den Mitarbeitern eine Menge Lauferei, sei es bei der Etikettierung oder der Inventur." Künftige Modelle des Mini-Butlers sollen es den Beschäftigten zudem ermöglichen, von jeder Ecke des Einkaufsmarktes E-Mails abzurufen oder einen Blick in den Kalender zu werfen.</P><P>"Für Unternehmen sind Handhelds heute ein sehr wichtiges Tool", sagt Axel Pols vom Branchenverband Bitkom. Den Taschencomputer- Herstellern sei es gelungen, Firmen von der Nützlichkeit der Geräte zu überzeugen. Mit speziellen Business-Varianten buhlen die Anbieter heute um die Gunst der Geschäftsleute. Zuletzt hat Branchenprimus Palm sein Modell "Tungsten" auf den Markt gebracht. Die US-Firma konkurriert mit dem "PocketPC" von Microsoft und HewlettPackard. Auch Sony, Nokia und Toshiba haben entsprechende Angebote.</P><P>Schon lange sind PDAs nicht mehr nur digitale Notiz- und Adressbücher: Sie können im Internet surfen, Daten über Mobilfunk oder Radiowellen (Bluetooth) empfangen, Text verarbeiten und Firmenpräsentationen zeigen. Einige Geräte spielen sogar Musik und Filme ab und schießen mit einer eingebauten Digitalkamera Bilder. Mit den Taschencomputern können Unternehmen nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner viel Geld sparen, etwa durch die höhere Produktivität der Mitarbeiter oder einen niedrigeren Papierverbrauch.</P><P>Rund 257 Millionen Euro gaben die Deutschen nach Bitkom-Angaben im Jahr 2002 für Taschencomputer aus. Der europäische Absatz von Taschencomputern ist laut Gartner im dritten Quartal erstmals seit einem Jahr wieder gestiegen - um 15 Prozent. Allerdings schrumpfte der weltweite Markt um 2,4 Prozent. "Bei sinkenden Preisen werden die PDA-Verkäufe bald wieder ansteigen", prognostiziert Pols von Bitkom.</P><P>In vielen Unternehmen gehören die digitalen Diener längst zum Standard. "Heute werden alleine bei Henkel Deutschland 800 bis 1000 Taschencomputer eingesetzt", sagt die Pressesprecherin Astrid Bosten. Nicht nur Managern und Vertriebsmitarbeitern, sondern Beschäftigten über fast alle Hierarchieebenen stünden PDAs zur Verfügung.</P><P>Im Medienkonzern Bertelsmann sind so genannte BlackBerrys der kanadischen Firma Research in Motion (RIM) im Einsatz. Das sind mobile Taschencomputer, die eine permanente, verschlüsselte Verbindung (GPRS) zum Server unterhalten und sich zum Empfangen von E-Mails oder für den Datenaustausch nicht immer neu einwählen müssen. "Unsere Mitarbeiter sind dadurch viel präsenter", sagt Oliver Hergesell von Bertelsmann. Das Medienhaus hat den speziell für den Einsatz in Unternehmen konzipierten E-Mail-PDA Anfang dieses Jahres eingeführt.</P><P>Nicht alle Unternehmen sind jedoch vom Nutzen der Taschencomputer überzeugt. Stellvertretend für die Zögerlichen unter den Firmen sagt adidas-Salomon-Pressesprecher Jan Runau: "Die Anschaffung von Palms und Handhelds ist Privatvergnügen der Mitarbeiter und wird nicht von der Firma getragen." Immerhin verursachen die Taschencomputer inklusive Software, Netzwerkwerkanbindung und Training laut Gartner Kosten von bis zu 4400 Dollar pro Mitarbeiter.</P>

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