Die Technische Universität München erobert Singapur

- "Unser Campus hat Tennisplätze und einen Swimmingpool mit Palmenstrand, von so was kann man in Deutschland doch nur träumen. Und das Essen: für zwei Singapur-Dollar bekommt man überall ein Super-Menu, ob chinesisch, malaiisch oder italienisch - es schmeckt immer fantastisch."

<P>Die kleine Gruppe der Chemie-, Physik- und Maschinenbau-Studenten aus der Technischen Universität München (TUM) ist sichtbar begeistert von ihrem Auslandsstudium in Singapur. Doch das ist nur die eine Seite deutscher Präsenz in der Handelsmetropole am südostasiatischen Äquator. Die andere ist brandneu und ein echtes Abenteuer: Die TUM hat in Singapur eine Neugründung gewagt, die in Berlin mit Aufmerksamkeit, in der deutschen Industrie mit großem Engagement und in der bayerischen Regierung mit Desinteresse registriert worden ist - die Gründung des ersten deutschen Auslands-Campus.<BR><BR>Dort können Ausländer und künftig auch Deutsche sich mit einem Master-Studium für eine Karriere in der Industrie qualifizieren, die dringend Top-Nachwuchs sucht, der sich technisch und wirtschaftlich auf internationalem Parkett bewegen kann. Bereits gestartet ist der Studiengang Industrial Chemistry. Im Sommer wird der zweite Studiengang Financial and Industrial Mathematics eingerichtet.<BR><BR>Kräftige Konkurrenz aus anderen Ländern<BR> <BR>Noch ist das akademische Kind winzig und muss kräftig die Werbetrommel rühren, um neben der Konkurrenz aus den USA, Australien, Großbritannien und Frankreich zu bestehen, die schon lange eigene Unis in der Republik Singapur betreiben. Doch nun wollten die Akademiker aus Bayern, angetrieben von ihrem überzeugenden Motor Wolfgang A. Herrmann, Deutschland endlich auch als attraktive Bildungsnation präsentieren. <BR><BR>Natürlich geht das nur mit Hilfe mächtiger Partner. Siemens öffnete über seinen früheren Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Herrmann Franz wichtige Türen zur Regierung. Als erste Förderer machten sich dann für die Neugründung große Chemiekonzerne stark. Wacker Chemie, Degussa, Bayer, Südchemie, BASF, Bayer und Celanese finanzieren die ersten 20 Stipendiat/inn/en aus Indien, Malaysien, China, Bangladesh, Philippinen und Singapur. Seit Herbst studieren sie an der deutschen Mini-Uni mit Namen GIST, dem "German Institute of Science and Technology", den Master-Studiengang Industrial Chemistry. <BR>Das Geld für die bajuwarische Mini-Uni kam zunächst vom DAAD (1,2 Millionen Euro für die ersten beiden Jahre, weitere Unterstützung ist geplant). Die Wirtschaftsbehörde Singapurs, das Economic Development Board, machte für die ersten fünf Jahre 4,8 Millionen Euro locker. Die Industrie stieg mit 30 000-Euro-Stipendien für die ersten 20 Studenten ein, die ein Eineinhalb-Jahre-Studium vor sich haben.<BR>Die TUM ist übrigens nicht selbst Eigentümer des GIST, das ist vielmehr die TUM-Tech GmbH, die bekanntlich für die Vermarktung attraktiver Forschungsergebnisse vom TUM-Wissenschaftlern ins Leben gerufen wurde.<BR><BR>Die TUM hat für das Studienprogramm einen wichtigen akademischen Partner in Singapur gewonnen: Die NUS, die National University of Singapore. In deren (angemieteten) Räumen studieren die neuen TUM-Studenten nun auch. Für die Lehre werden zur Hälfte Teams der TUM aus Bayern eingeflogen, die andere Hälfte bestreiten Dozenten der NUS. <BR><BR>Im Mai werden die Stipendiaten in München erwartet: Sie werden dann ein Firmenpraktikum absolvieren und anschließend ihre Master-Abschlussarbeit schreiben. In Englisch versteht sich. Das ist auch die Studiensprache am GIST. <BR><BR>Denn mit Vorkenntnissen der deutschen Sprache könnte man in Asien kaum Studenten anlocken. Doch wird den angehenden Industriechemikern Wissen über deutsche Geschichte und Kultur vermittelt, auch das Goethe-Institut ist mit seinem Programm eingebunden.<BR><BR>Was aus all dem wird, wird sich zeigen. Bis jetzt sind alle Studierenden jedenfalls hoch motiviert, da setzte die akademische Delegation aus Germany nur noch den I-Punkt drauf. Nach asiatischer Gepflogenheit hatte man den akademischen Winzling in der Gesellschafts Singapurs erst einmal beäugt - jetzt wurde GIST feierlich eingeweiht. Vom Erziehungsminister Singapurs, Dr. Ng Eng Hen, dem deutschen Botschafter Andreas Michaelis, dem DAAD-Vizepräsidenten und der TUM, deren Delegation mit Präsident Herrmann, Vizechefin Hannemor Keidel, Kanzler Ludwig Kronthaler, der Verwaltungsratsvorsitzenden Vigdis Nipperdey und mehreren Profs da war. </P><P>Pannen bei den Neutrinos<BR> <BR>Als wissenhaftliches Highlight hatte man Bayerns Physik-Nobelpreisträger Rudof Mössbauer mitgebracht. Es war schon der zweite Nobel-Laureat, den die TUM aufbot, im Herbst hatte bereits Chemie-Nobelpreisträger Robert Huber Vorlesung gehalten.<BR><BR>Ob es an der Einweihungsstimmung lag - Mössbauer hatte wenig Fortune bei seinem Festvortrag über die Neutrino-Forschung: Er begann mit einem Begrüßungsversprecher (Willkommen in Heidelberg) und musste dann seine Manuskriptseiten zwischen zwei weit auseinanderstehenden Overheads hin und her balancieren, wobei ihm öfter der Vortragsfaden entglitt. Zum Glück verstanden die wenigsten Gäste überhaupt etwas von der Materie, sonst wär's noch peinlicher (auch für die TUM) ausgegangen. Danach trösteten sich alle Gäste mit einem opulenten Büffet samt süffigen Weihenstephaner Weißbier.<BR></P>

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