Ein Tempel für den Ältestenrat

- Für die beiden Archäologen Adelheid Otto und Berthold Einwag vom Institut für Vorderasiatische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität war es ein Wettlauf gegen die Zeit. Unaufhörlich stieg das Wasser des Euphrat in Nordsyrien, aufgestaut durch ein Staudammprojekt. In kurzer Zeit würden die Ebenen des Tals unter Wasser stehen, genau dort, wo sich die unerforschten Überreste von Tall Bazi befanden. Tall Bazi - das war in der Bronzezeit eine reiche Handelsstadt. Sie wurde von dem Volk der Mittani beherrscht, das vom 16. bis 14. Jahrhundert v. Chr. im heutigen Nordsyrien lebte.

Bevor das Wasser alles überflutete, wollten die beiden Münchner Archäologen wissen, wie die Menschen dort gut 3400 Jahren gelebt hatten. Tall Bazi war ein florierendes und mächtiges Handelszentrum."Zunächst hatten wir nur die Siedlung in den Niederungen erforscht, denn das Wasser stieg schnell", erklärt Otto. "Doch uns fehlten die administrativen Gebäude, die man eigentlich bei jeder Stadt findet." Also sind die Archäologen in diesem Frühjahr wieder nach Nordsyrien aufgebrochen, um auf den umgebenden Hügeln von Tall Bazi nach eben diesen Verwaltungsbauten zu suchen. Und ihre Vermutungen bestätigten sich: Mit Hilfe von Magnetsonden fanden die Wissenschaftler im Untergrund die Überreste eines Tempels und einer Befestigungsanlage, die sie anschließend freilegten.Die Forscher waren überrascht, als sie die für damalige Verhältnisse großen Ausmaße des Tempels sahen. Mehr als 25 Meter lang und zehn Meter breit war das schnörkellose Gebäude aus Lehmziegeln. "Welcher Gott genau in dem Tempel verehrt wurde, wissen wir noch nicht genau", sagt Otto. "Sicher ist aber, dass die Stätte auch als Versammlungsort für einen Ältestenrat diente, der aus zwölf Mitgliedern bestand und die Stadt regierte."Nicht weit vom Tempel entfernt befand sich die Befestigungsanlage. "Hier fanden wir viele Schleudereier", erklärt Berthold, "Die Menschen konnten diese Wurfgeschosse mit ihren Schleudern bis auf 60 Meter Entfernung präzise ins Ziel schießen - so ähnlich wie David, als er Goliath tötete."Noch sind viele Fragen über das Leben der Bewohner von Tall Bazi offen. Fest steht jedoch, dass die Stadt in einer Feuersbrunst unterging. Mittlerweile sind die Ruinen in der Ebene schon unter den Wasserfluten verschwunden.Eine Zwischenbilanz ihrer Forschung werden Adelheid Otto und Berthold Einwag nun erstmals in einem Vortrag am Donnerstag, 7. Juli, ab 19 Uhr im Hörsaal 001 des Historicum, Schellingstraße 12 ziehen (der Eintritt ist frei).

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