Kein Meme drückt wohl besser aus, wie sehr sich die Menschen Frieden für Paris wünschen.

Nicht nur "Pray for Paris"

Die wichtigsten Internet-Memes zum Terror in Paris 

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München - Viele Nutzer diverser sozialer Netzwerke bekunden ihre Solidarität mit Paris, indem sie auf Facebook und Co. Bilder, Sprüche und Videos teilen. Wir erklären die wichtigsten.

Verfolgen Sie die aktuellen Nachrichten nach den Terror-Anschlägen von Paris in unserem News-Ticker.

Memes sind so alt wie das Internet. Das reine Online-Phänomen bezeichnet ein oft mit Text versehenes Bild, ein Video oder einen Trend, der sich über soziale Netzwerke verbreitet, wobei ihre Urheber meist anonym bleiben. Typische Beispiele sind etwa "Grumpy Cat", die "Ice Bucket Challenge" oder der "Harlem Shake". Memes entstehen nicht selten aus konkreten Anlässen, die viele Menschen bewegen.

So haben auch die Anschläge vom 13.11. in Paris eine Welle von Memes ausgelöst, die jedoch ganz unterschiedliche Botschaften senden.

Die meisten Nutzer sozialer Medien drücken mit den Memes ihre Trauer, ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit den Parisern aus. Dabei wird naheliegenderweise ein französisches National-Symbol oft verwendet: die Trikolore. Mal ist sie in Form eines gebrochenen Herzen zu sehen,

mal erscheint sie in einem weinenden Auge.

Doch ein Bild ist quasi das optische Gegenstück zu John Lennons Friedenshymne "Imagine", denn in seiner Schlichtheit und klaren Aussage ist es wohl kaum zu übertreffen:

Millionenfach wurde die Tinte-Zeichnung mit dem Eiffelturm als Peace-Zeichen geteilt. Auch Merkur-Online.de und tz.de verwenden es derzeit auf Facebook als Profilbild. Mit seinem Entwurf aus ein paar Pinselstrichen gab der französische Illustrator Jean Jullien den Menschen weltweit eine Möglichkeit, nicht nur ihre Trauer, sondern auch ihre Hoffnung nach den schrecklichen Geschehnissen auszudrücken. "Das war spontan, ich wollte etwas machen, das nützlich sein kann für die Leute", sagte der in London lebende Franzose in einem Interview. "Angesichts der Gewalt der Angriffe, hat es sich aufgedrängt, die beiden Symbole miteinander zu vermischen."

Das Wahrzeichen von Paris eignet sich aber auch hervorragend, um es als Ersatz für den Buchstaben A in einen Satz einzubinden, der die Gefühle des Posters widerspiegelt - etwa "Wir stehen an der Seite von Paris"

oder in diesem Meme, das vor allem viele gläubige Menschen ins Internet stellten: "Pray for Paris" - Betet für Paris.

Nicht wenige konnten sich aber mit dieser Aussage nicht recht anfreunden, Beten ist für sie nicht genug. "Betet nicht für Paris, kämpft lieber gegen hasserfüllte religiöse Ideologien", fordern sie in einer Abwandlung des Memes.

Joann Sfar sieht das ähnlich. Der "Charlie Hebdo"-Karikaturist kannte viele der Zeichner, die bei dem Attentat auf das Pariser Satire-Magazin im Januar dieses Jahres durch die Hand von Islamisten starben. Er wollte das Thema weg von der Religion und hin zum Leben lenken. "Freunde aus der ganzen Welt, danke für den Hashtag "Pray for Paris", aber wir brauchen nicht mehr Religion. Wir glauben an Musik! Küsse! Das Leben! Champagner und die Freude!" Ganz Paris drehe sich um das Leben, lautet sein Hashtag.

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Ein von Joann Sfar (@joannsfar) gepostetes Foto am

Um ihre Empathie für die Opfer der Attentate vom 13.11. auszudrücken, hat Facebook extra ein Feature eingerichtet, mit dem jeder Nutzer sein Profilbild mit der französischen Nationalflagge überziehen kann. Viele habe es bereits genutzt.

Kritiker merken jedoch an, dass eine solche Welle der Solidaritätsbekundung und öffentlicher Trauer erst ein Terror-Anschlag im Herzen Europas auslöst, während Gräueltaten von Extremisten etwa in Bagdad und Beirut nicht ein annähernd so starkes Echo in den sozialen Medien gefunden hat.

Auch ein Zitat des amerikanischen Bürgerrechts-Aktivisten Martin Luther King wurde aufgrund der aktuellen Geschehnisse zum Meme verarbeitet. Neben einem hell erleuchteten Eiffelturm vor nächtlicher Kulisse steht zu lesen: "Die Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben, das kann nur das Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben. Das kann nur die Liebe."

Nach dem Attentat distanzieren sich viele Moslems von den Gräueltaten der Dschihadisten - unter dem Hashtag #notinmyname (Nicht in meinem Namen)

Denn viele Menschen scheinen nicht verstehen zu wollen, dass der IS genauso wenig die Gesamtheit der Moslems repräsentiert wie der rassistische US-Südstaatengeheimbund Ku Klux Klan die Gesamtheit der Christen repräsentiert - wie es dieses Meme treffend ausdrückt.

Kein Bild, sondern ein Video ist nach den Anschlägen in Paris ebenfalls viral gegangen: Der Wutausbruch des britischen Komikers John Oliverin seiner wöchentlichen US-TV-Show "Last Week Tonight". Darin schert er sich nicht um political correctness und flucht, dass sich die Balken biegen. So nennt er die Attentäter "gigantische Riesen-A...löcher" mit einer "Ideologie reiner A...löchrigkeit". Frankreich werde bestehen, ist Oliver überzeugt, es habe schließlich einige der größten Philosophen, Künstler und Leckereien wie Wein und die berühmte Kalorienbombe Croquembouche hervorgebracht. Humor als Reaktion auf Horror - dafür gibt es im Internet ein dickes "Like".

Ebenso wie für Musik. Das beweist der Facebook-Hit, den ein Chiemgauer mit seiner Ballade auf Paris landete. 

Hier geht's zum heutigen Paris-Ticker

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