Die teuflische Brut

- Selbst der Dichter Heinrich Heine erlag als Knabe dem Mythos um Salamandra salamandra. Als er eines der gelb-schwarz gefleckten Tierchen zu fassen bekam, warf er es kurzum in den Ofen. Der junge Naturforscher wollte wissen, ob Feuersalamander wirklich in Flammen leben können, wie Legenden behaupteten.

Doch, wie Heine in "Elementargeister" berichtet, er wurde herb enttäuscht. Frühere Jahrhunderte trauen dem Feuersalamander schier Ungeheueres zu. Er entzünde sogar Wasser, hieß es. Allein die Berührung des teuflischen Tiers sollte tödlich sein. Der Salamander in der Zoologischen Staatssammlung in München wirkt dagegen wenig bedrohlich. Munter stakst er über den bloßen Unterarm von Frank Glaw. "Das ist völlig ungefährlich", sagt der Amphibien-Spezialist.

Gift einiger Kröten erzeugt Halluzinationen

Doch trägt der Feuersalamander seine Warnfarben nicht umsonst: In seinen Ohrdrüsen bildet das in Deutschland verbreitete Tier einen Giftcocktail. Gerät der kleine Schwanzlurch in Gefahr, kann er ihn aus winzigen Löchern bis zu einem Meter weit spritzen. "Dazu muss man das Tier aber schon quälen", sagt Glaw. Selbst der Spezialist kennt so eine Salamander-Attacke nur von Fotos. Doch auch ohne Bedrohung überzieht- wie bei allen Amphibien - ein giftiges Sekret die Haut des Tiers und schützt es vor Pilzen und Bakterien.

Für den Menschen ist das starke Salamander-Gift ungefährlich. Denn kein Stachel, keine Giftzähne spritzen es unter die Haut. Für junge Hunde oder Katzen kann das Spiel mit dem Feuersalamander aber schon mal mit einem lahmen Kiefer oder sogar dem Tod enden.

Umwittert von Legenden alter Zeiten ist nicht nur Salamandra. Viele Gifttiere aus deutschen Landen geistern als üble Teufelswesen durch Legenden und Fabeln. So darf als Zutat in märchenhaften Hexen- und Zaubertränken ein Gift nicht fehlen: das der warzenbedeckten, glotzäugigen Kröte. Tatsächlich produzieren auch diese Froschlurche in ihren Ohrdrüsen einen üblen Giftmix, der die Haut überzieht.

Doch sind auch die einheimischen Arten, die Erd-, Kreuz- und Wechselkröten, für den Menschen ungefährlich. "Man sollte sich die Hände waschen, wenn man eine Tier angefasst hat", rät Glaw.

Für einen Hexentrank würden sich Kröten dennoch eignen. Denn sie produzieren Stoffe mit wahrhaft unheimlicher Wirkung. So können manche Gifte Wahnvorstellungen auslösen, zum Teil stärker als LSD. Eine Krötenart in Colorado enthält das so genannte Methylbufotenin in besonders reiner Form. Um sie rankt sich die Legende der Krötenlecker. Bestätigen konnte sie bisher allerdings niemand.

Den wohl schlechtesten Ruf im Reich der Fauna haben indes die Mitglieder der Gattung Serpentes. Tausende büßen ihn jedes Jahr mit dem Tod. "Viele Menschen erschlagen noch immer jede Schlange, obwohl sie unter Naturschutz stehen", sagt Glaw mit Bedauern. Denn selbst die Kreuzottern sind nicht darauf aus, ihr kostbares Gift an einen Menschen zu verschwenden. Sie flüchten lieber und sparen es für ein Beutetier.

Nicht immer lässt sich die Kreuzotter übrigens an ihrer gezackten Rückenzeichnung erkennen. Manchmal trägt sie als Kupfer- oder Höllenotter auch ein schlichtes, rotbraunes oder schwarzes Kleid. Der Glaube, diese Färbungen seien besonders giftig, gehört allerdings ins Reich der Fabeln.

Werdende Spinnenmütter lauern in Kokons

Die übrigen Schlangen Deutschlands, die gelbbackige Ringelnatter und die graue Schlingnatter, die wegen ihrer dunklen Rückenflecken oft mit einer Kreuzotter verwechselt wird, sind harmlos. An einigen Orten trifft man auch auf die bis zu zwei Meter lange aber ungiftige Äskulapnatter. Konkurrenz hat die Kreuzotter nur in einem kleinen Gebiet an der Grenze zur Schweiz. Hier lebt die ebenfalls giftige Aspisviper.

Bedrohlicheres Getier schlängelt sich allerdings bereits jenseits der Alpen. In Österreich und vielen Balkanländern trifft man zwischen Geröll oder auf trockenem Gras gelbliche Schlangen mit einem kleinen Horn auf der Nase: die Sandvipern. Todesfälle nach einem Biss sind allerdings sehr selten.

Doch nicht nur, wenn sich etwas im Gras windet, läuft vielen ein Schauer über den Rücken. Acht spindeldürre Beine um einen kleinen runden Körper genügen oft für eine Panikattacke. Arachnophobie nennt man die krankhafte Angst vor Spinnentieren.

Die bekannteste einheimische Vertreterin der Arachnida ist die Kreuzspinne, deren Netze im herbstlichen Morgentau in vielen Gärten und Wäldern funkeln. Wie alle Spinnen produziert sie ein Gift, um ihre Beute zu töten und zu verdauen. Doch kommt sie wie ihre einheimischen Schwestern mit den Kiefern nicht durch die menschliche Haut. Nur einer schafft es: der Dornfinger. "Ihn gibt es vereinzelt auch in Bayern", sagt Roland Melzer, Zoologe und Spinnenspezialist. Hüten sollte man sich vor allem vor werdenden Müttern.

Die Spinnenweibchen weben kleine Kokons zwischen Gräser und bewachen ihre Brut. Ein Störenfried bekommt ihre kräftigen Kieferzangen zu spüren. Der Biss des nur gut einen Zentimeter großen Tieres schmerzt erheblich. Empfindliche Menschen reagieren sogar mit Schwindel und Erbrechen.

Ins Reich der Märchen gehört dagegen die Legende über einen anderen tierischen Einwohner. "Sieben Hornissen töten ein Pferd", sagt der Volksmund. Doch in Wahrheit töten sie nicht einmal eine Maus. Das Gift der Hornisse ist sogar schwächer als das einer gewöhnlichen Wespe. Es enthält allerdings einen Stoff, der den Schmerz verstärkt.

Der größte Killer unserer Breiten ist indessen eine Dame, der der Ruf großen Fleißes vorauseilt. Kein Tier tötet hierzulande mehr Menschen als die Honigbiene - gemeinsam mit ihrer lästigen Schwester, der Wespe. Nicht durch die Stärke ihres Stachels, sondern durch eine Überreaktion des Menschen auf ihr Gift. Etwa 20 Deutsche starben im vergangenen Jahr nach einem Stich an einer Allergie. Die teuflische Brut der Höllenottern, Kröten und Kreuzspinnen tötete niemanden.

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