Therapie mit Made und Wurm

- Zögernd hält die junge Frau die rechte Hand ins warme Wasser. Dann nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und steigt in die Badewanne. Sie ist nicht allein: Kleine, fingerlange Fischchen schwimmen um sie herum. Kaum sitzt sie im Wasser, fangen die Tiere sofort an ihren Körper zu beknabbern.

Doch die Dame nimmt nicht am Dschungelcamp teil, sondern an einer Fischkur für Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) - nur eine von vielen tierischen Therapien. In der Natur übernimmt die rote Saugbarbe (Garra rufa) die Hautpflege anderer Fische. In den nährstoffarmen Gewässern der Region Kangal in der Türkei entdeckten die Tiere einen neuen Leckerbissen: Um nicht zu verhungern, begannen sie die abgestorbene Hautschüppchen von Badegästen abzuknabbern.

Heilen Wunden schlecht, hilft die Maden-Therapie

Viele Schuppenflechte-Patienten schwören seitdem auf das Bad mit den Fischen. Doch Experten halten nichts von der Fisch-Therapie: "In der Türkei baden die Patienten mehrere Stunden in der Sonne", so Professor Jörg Prinz, Psoriasis-Experte an der Klinik für Allergologie und Dermatologie der LMU. "Bäder und UV-Bestrahlung sind aber auch Teil der konventionellen Therapie." Ob Kurklinik oder Badereise - von der Fisch-Behandlung profitieren vor allem findige Geschäftemacher. "Wenn Sie Pech haben, dann holen Sie sich sogar eine Infektion", warnt Prinz.

Selbst bei Schulmedizinern anerkannt ist dagegen die sogenannte "Biochirurgie", die Therapie mit Maden. Schon die Ureinwohner Australiens und Südamerikas setzten Fliegenlarven gezielt zur Behandlung von Wunden ein. In der modernen Medizin kommen ausschließlich Larven der Goldfliege Lucilia Sericata zum Einsatz. Denn sie fressen nur abgestorbenes Gewebe und Bakterien - auch solche, die gegen Antibiotika resistent sind.

Damit die Patienten nicht aus Ekel auf die Behandlung verzichten, werden die Larven in sterile Gazebeutel verpackt. Durch die Poren gelangen Verdauungssäfte der Maden in die Wunde und lösen totes Gewebe auf. Der Kranke spürt nur ein Kitzeln.

Umstritten ist dagegen der Wurm als Therapeut. Zwar sehen die meisten Experten übermäßige Hygiene als Ursache vieler Allergien. Doch einige Forscher glauben, dass es nicht Bakterien, sondern Darmparasiten sind, die uns als Training für das Immunsystem fehlen. Eine Wurm-Therapie soll Allergikern helfen. Das Vorbild ist ein japanischer Arzt, der glaubt mit einem Fischbandwurm den Heuschnupfen besiegt zu haben. "Völliger Blödsinn", meint dagegen Professorin Franziska Rueff von der Klinik für Allergologie und Dermatologie der LMU. "Ein Bandwurm schmarotzt und raubt wertvolle Nährstoffe. Man behandelt eine Krankheit mit einer anderen."

Auf den Schweinespulwurm setzen US-Wissenschaftler dagegen im Kampf gegen Morbus Crohn, eine Autoimmunreaktion gegen die körpereigenen Zellen des Darms. Die Wurmeier setzen sich im Darm nicht fest, aktivieren aber das Immunsystem.

Einen ganzen Cocktail verschiedener Wirkstoffe spritzt der Blutegel seinem Opfer, darunter die Gerinnungshemmer Heparin und Hirudin. Doch noch werden nicht alle seine Wirkstoffe industriell hergestellt. Deshalb greifen auch heute noch Chirurgen zum Blutegel. Wenn sie abgetrennte Gliedmaßen wieder annähen, verflüssigen die die Sekrete das angestaute Blut.

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