Tiefenerfahrung im Unterirdischen

- Mit welcher Motivation steigen Menschen in Höhlen? Es fehlt dort an Licht, Wärme und an der Geborgenheit der Zivilisation. Es scheint aber gerade der Reiz zu sein, alle Sicherheiten hinter sich lassen. Am Seil hinabzuschweben in eine dunkle Ungewissheit mit möglichen verborgenen archäologischen Geheimnissen, mit Gefahren und Risiken. Solche Erfahrungen schilderte Andreas Bedacht, angesehener Höhlenforscher und Leiter der Jugendbildungsstätte Burg Schwaneck des Kreisjugendringes München-Land, bei einer Tagung an der Technischen Universität München über "Extremsport und Erfahrungssuche in der Natur."

<P>Existenzerfahrungen und Grenzüberschreitungen standen im Mittelpunkt der Vorträgen und sind nicht selten Motivation und Reiz für Höhlenforscher, die individuelle Tiefenerfahrungen in der Unterwelt unserer Landschaft suchen. </P><P><BR>Der Mensch taucht mit dem Begehen der Höhle in eine ungewohnte und unwirkliche Welt ein. Unterirdische Flüsse müssen durchquert werden. Gesteinsmassen können den Weg blockieren, fordern zum Klettern und Kriechen auf. Von Lehm durchtränkte Kleidung, Eis und Kälte machen das Leben schwer. In der Höhle müssen Wege gefunden werden - ein realer Weg durch die steinernden Hohlräume und ein gedanklicher Weg, um mit den Schwierigkeiten der Natur umzugehen. </P><P><BR>Für viele Menschen ist das Kennenlernen des besonderen Klimas, der schroffen Landschaft und der Geologie von Höhlen die Motivation, diese zu erkunden. Andere wollen Abtauchen in die Geschichte der frühen Menschheit, wollen wissen, wie wir wurden, was wir sind. Jahrtausende alte Höhlenmalereien von Mammuts, Bisons oder Wieseln faszinieren Profi- und Hobby-Forscher ebenso wie spektakuläre Knochenfunde.</P><P><BR> Extremer sind die Erfahrungen, die Höhlenforscher bei chronobiologischen Experimenten sammeln. Wie verhalte ich mich, wenn ich lange Zeit allein in der völligen Dunkelheit einer Höhle verbringe? Die Forscher interessiert bei der Beantwortung dieser Frage besonders, was mit der Zeitwahrnehmung, dem Raum-Empfinden und der Psyche eines derart isolierten Menschen passiert.<BR>Aber es müssen nicht unbedingt extremste Langzeiterfahrungen sein, die die Menschen in der Höhle prägen. Schon mit dem Leben an einem Seil zu hängen und die gewohnte Umgebung zu verlassen, um selbst die Konfrontation mit dem Ungewissen zu erleben, ist, wie der Höhlenforscher sagt, für viele Menschen eine prägende Grenzüberschreitung. <BR><BR></P>

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