Tiere machen richtig Arbeit

- Fast 100 000 Studierende strömen jeden Tag - außer in den Semesterferien - in die Hörsäle, Übungsräume und Labors der Hochschulen im Großraum München. Wir haben einigen Studentinnen und Studenten über die Schulter geschaut, um ihren Studienweg und den Arbeitsplatz aus ihrer ganz persönlichen Perspektive mitzuerleben. Heute: Nikola Medl, Studentin der Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians- Universität München.

<P>Kater Paul ist drei Monate alt und dementsprechend quirlig. Trotzdem kennt Nikola Medl, die im sechsten Semester Tiermedizin studiert, keine Gnade. Paul bekommt eine Impfung. "Gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen, zwei Viruserkrankungen, die besonders junge Katzen gefährden, muss geimpft werden", erklärt Nikola bestimmt. Doch bevor es losgeht, steht erst einmal ein so genannter "Allgemeiner Untersuchungsgang" an. </P><P>Die Studentin, die von einem Tierarzt beaufsichtigt wird, geht geschickt mit dem kleinen Kater um. Er lässt sich anstandslos in Maul, Augen und Ohren gucken. Auch das Abhören von Lunge und Herz geht schnell. Das Abtasten des Bauches wirkt wie eine reine Formsache. Erst das Fiebermessen bringt Paul in Rage. Nikola hält ihn unerbittlich fest und erklärt: "Hohes Fieber ist Anzeichen einer Infektion. Impfen kann man Tiere aber nur, wenn sie gesund sind." </P><P>Dass der Alltag als Tierärztin stressig sein kann, weiß Nikola von Kindesbeinen an. Ihre Mutter leitet eine Kleintierklinik im Unterallgäu. So kam sie früh in Kontakt mit kranken Tieren und macht sich über ihr Berufsziel keine Illusionen: "Tierliebe ist gut und schön, aber schon das Tiermedizinstudium erfordert mehr: medizinisches Grundverständnis und die Bereitschaft hart zu lernen und zu arbeiten", erklärt die 22-Jährige bestimmt. Im Moment ist Nikola einfach glücklich, dass auf dieses Semester keine große Prüfung folgt. Die letzten beiden Sommer hat sie nämlich mit Vorphysikum und dem Physikum verbracht. </P><P>So gönnt sie sich öfters mal eine Vorlesungspause im Englischen Garten. "Die Lage unserer alten Fakultät in der Veterinärstraße direkt am Eisbach ist einfach ideal", schwärmt Nikola. Und tatsächlich sieht man viele "Vettis", die direkt vom Unigelände links in den Englischen Garten abbiegen. Doch die exponierte Lage hat auch Nachteile. Das Campus- Gelände ist einfach zu klein. Deshalb ist der Klinikbetrieb weitgehend in hochmoderne Gebäude nach Oberschleißheim verlegt worden. </P><P>Diese räumliche Trennung hat so ihre Tücken. "Wenn ein praktischer Kurs in Oberschleißheim bis 12 Uhr dauert und die Vorlesung an der Veterinärstraße um 12.15 Uhr starten soll, ist das zeitlich einfach nicht zu schaffen, da man für die Strecke von Campus zu Campus etwa 45 Minuten braucht", erzählt Nikola. "Diese Fehlplanung gleichen die Kursleiter dann freundlicherweise aus, indem sie uns früher gehen lassen." Sonst ist Nikola mit ihrer Fakultät und ihrem Studienort aber sehr zufrieden. "Ich wohne in der Nähe vom Harras in einer WG. Da bin ich mit der U6 richtig schnell an der Uni", freut sie sich. Zurück zu Kater Paul, der kein Fieber hat. Unter Maunzen bekommt er seine Spritze. Doch schon nach zwei Minuten hat der kleine Kerl alles Ungemach vergessen. Auf Nikola warten dagegen noch viele Tiere.</P>

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