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Bankgeschäfte per Handy: Das muss man beachten

München - Bankgeschäfte per Smartphone oder Tablet immer und überall erledigen? Das klingt praktisch. Und immer mehr Deutsche tun es. Wer sein Geld mobil dirigiert, ist allerdings auch angreifbar.

„Eine App, alle Banken“, lautet der Slogan der Online-Banking-App „Numbrs“. Der zugehörige Werbespot ist seit einigen Wochen allgegenwärtig – im Fernsehen, Internet, sogar auf den Anzeigetafeln an U-Bahn-Stationen. Wer sich das Mini-Programm auf sein iPhone lädt, kann damit Bankgeschäfte erledigen. Alle Konten sind verfügbar, egal welche Bank, verspricht der Anbieter, die Numbrs AG, eine von ProSiebenSat.1 unterstützte Firma aus der Schweiz.

Damit liegt „Numbrs“ voll im Trend. Denn immer mehr Bankkunden nutzen Mobile-Banking – also Online-Banking über mobile Geräte. Rund 80 Prozent der Bankkunden in Deutschland erledigen laut einer Studie der Managementberatung Bain & Company gelegentlich Bankgeschäfte im Internet. Gut jeder Dritte nutzt dafür mittlerweile Smartphone oder Tablet. Seit 2012 hat sich diese Zahl verdoppelt.

Apps von Banken und Drittanbietern

Die Vorteile des Mobile-Bankings liegen auf der Hand: Ob Überweisung aus dem Biergarten oder Kontoabruf in der S-Bahn. Bankgeschäfte werden immer und überall möglich. Beinah jedes Institut bietet seinen Kunden deshalb mittlerweile eine Mobile-Banking-App zum kostenlosen Download an – so etwa die Sparkasse („Sparkasse Plus“) und die Deutsche Bank („Meine Bank“). Kontostände abrufen, Überweisungen erledigen oder Daueraufträge einrichten: Das können die meisten Programme. Wer mehr Funktionen will oder mehrere Konten bei verschiedenen Banken verwalten will, greift besser zu Apps von bankunabhängigen Anbietern – Numbrs ist einer davon.

Erwähnt werden muss an dieser Stelle allerdings: Apps sind nicht grundsätzlich notwendig, um ein Smartphone für Mobile-Banking zu nutzen. Kunden können auch Online-Banking über die Webseiten der Banken mit dem Handy betreiben. Dafür bieten die Geldinstitute meist eine mobile Version ihrer Webseite an, die an die Smartphones angepasst ist. Diese Webseiten sind zum Teil jedoch in ihren Funktionen eingeschränkt. Grundsätzliche Bedingung für Mobile-Banking – egal ob über App oder mobile Internetseiten – ist allerdings: Das Konto muss dafür freigeschaltet sein.

Wer sich für Mobile-Banking über eine App entscheidet, muss diese zunächst auf sein Smartphone oder Tablet laden. Es gibt verschiedene Betriebssysteme für Smartphones, die passenden Apps gibt es auf den Webseiten der Anbieter. Wer ein iPhone oder iPad nutzt, findet die passenden Programme im App-Store von Apple. Der Android Market von Google bietet die Apps für Android-Handys zum Download an, Blackberry-Nutzer wenden sich an die App World.

Mobile-Banking-Apps werden in den Stores tausendfach heruntergeladen. Ruhigen Gewissens nutzen viele Bankkunden die Programme allerdings nicht. Sie haben Angst um ihre Daten. Und diese Angst ist begründet. Die Zahl der betrügerischen Angriffe auf das Online- und Mobile-Banking mit Hilfe gestohlener Zugangsdaten ist nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) im vergangenen Jahr um fast ein Fünftel gestiegen. Phishing-Fälle nahmen um 19,2 Prozent auf 4100 zu, teilte BKA-Präsident Jörg Ziercke kürzlich mit.

Datensicherheit beim Mobile-Banking

Phishing stellt die größte Gefahr dar – sowohl beim Online-Banking vom heimischen PC, als auch beim Mobile-Banking. Darunter versteht man das Ausspionieren der Zugangsdaten zum Konto. Betrüger führen Phishing-Angriffe über E-Mails, Spähprogramme oder Trojanische Pferde aus – Computerprogramme, die als nützliche Anwendung getarnt, im Hintergrund eine andere Funktion erfüllen.

Um sich vor solchen Angriffen zu schützen, rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Virenschutzprogramme zu installieren und Firewalls zu aktivieren. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt zum Beispiel die kostenlose Anti-Viren-Software Avira Free Antivirus oder Avast! Free Antivirus. Viele Internetnutzer schützen so zwar ihren PC, vergessen aber Smartphone und Tablet. „Außerdem sollten Updates immer zeitnah gemacht werden“, rät BSI-Sprecher Matthias Gärtner. Oft nutzen Betrüger Sicherheitslücken, die Nutzer zu spät durch ein Update schließen.

Auch die Banken tun einiges, um die Kontodaten ihrer Kunden zu schützen: Um sicherzustellen, dass nur der jeweilige Bankkunde auf sein Konto zugreifen kann, setzen sie auf das PIN/TAN-Verfahren. Um etwa online eine Überweisung durchzuführen, müssen Bankkunden sowohl ihre persönliche Identifikations-Nummer (PIN), als auch die Transaktionsnummer (TAN) eingeben. Das gilt sowohl für Online- als auch für Mobile-Banking. Dabei ist die TAN eine Nummer, die nur einmalig für eine Transaktion gilt. Es gibt verschiedene Wege, eine TAN an einen Bankkunden zu übermitteln. Beim klassischen PIN/TAN-Verfahren verschickt die Bank eine auf Papier gedruckte TAN-Liste per Post. Wenn Kunden eine Transaktion durchführen wollen, können sie eine TAN aus der Liste verwenden.

Das BSI rät Bankkunden allerdings, moderne TAN-Verfahren wie mTAN zu nutzen, weil sie mehr Sicherheit bieten. Beim mTAN-Verfahren bekommen Nutzer keine TAN-Liste auf Papier zugeschickt. Stattdessen verschickt die Bank nach Aufforderung durch den Nutzer bei jeder Überweisung eine mobile TAN per SMS auf ein vorher registriertes Mobilgerät. „Die per SMS übertragenen mTANs dürfen dabei nicht auf dasselbe Smartphone übertragen werden, von dem das Bankgeschäft erledigt wird“, warnt das BSI. Im Schadenfall übernimmt die Bank sonst keine Haftung. Es ist also ein zweites Handy nötig. Nach Möglichkeit sollten Bankkunden außerdem eine von der eigenen Bank bereitgestellte und autorisierte App nutzen, rät das BSI.

Skepsis gegenüber Multibanking-Apps

Manche IT-Spezialisten sind skeptisch bei Multibanking-Apps, mit denen Konten bei verschiedenen Banken verwaltet werden – wie etwa bei Numbrs. Bei solchen „Konto-Aggregierungs-Apps“ seien die Sicherheitsprobleme größer als der praktische Nutzen, erklärte etwa Boris Hohl, Spezialist für IT-Sicherheit bei Capgemini, kürzlich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Kritik an „Numbrs“ gibt es auch im Internet. Die App wird tausendfach heruntergeladen, die aktuelle Version aber mit lediglich zwei von fünf möglichen Sternen im App-Store bewertet. Der Grund: Datenschutz-Bedenken, zumal die App kostenlos ist. Werden am Ende doch Kundendaten zu Geld gemacht?, fragen sich einige.

Numbrs selbst versichert, dass die Sicherheit der Kundendaten höchste Priorität habe. „Numbrs gibt keinerlei Daten seiner Nutzer weiter und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Alle Bankdaten sind komplett anonymisiert und verschlüsselt“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Numbrs soll auch künftig kostenfrei bleiben, heißt es weiter. Es sollen allerdings kostenpflichtige Mehrwertdienste angeboten werden – zum Beispiel der Handel mit Aktien.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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