Tödliche Rutschbahn

- Insekten können sich fast überall festhalten, selbst die glattesten Landeplätze sind für sie kein Problem. Doch an den Oberflächen von Fleisch fressenden Kannenpflanzen scheitern selbst sie.

Gerät ein Käfer an die Innenseite dieser sackförmigen Gewächse, schlittert er ohne die geringste Chance bis auf den Boden, wo er langsam verdaut wird. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Metallforschung in Stuttgart und der Uni Hohenheim haben nun herausgefunden, wie die Kannenpflanzen die Innenseiten ihrer Fallen zu tödlichen Rutschbahnen machen.

Die Stuttgarter Forscher haben Kannengewächse der Gattung Nepenthes untersucht. Diese gehören zu den passiven Fallenstel-lern. Sie bewegen sich nicht, um ihre Beute zu fangen und müssen deshalb auf ausgeklügelte chemische Methoden zurückgreifen. In dem tödlichen Fallensystem hat die Gleitzone an der Innenseite der Pflanzen eine Schlüsselrolle.

"Die Innenwand ist mit einer Schicht aus Wachs bedeckt, das den unvorsichtigen Tieren zum Verhängnis wird", erklärt Elena Gorb vom Max-Planck-Institut für Metallforschung. "Sobald sie ihn berühren, rutschen sie ihrem tödlichen Schicksal entgegen." Um zu erfahren, wie dieses Wachs beschaffen ist, haben die Wissenschaftler um Elena Gorb nun seine chemische Zusammensetzung und die me-chanischen Eigenschaften studiert.

Die Materialforscher fanden heraus, dass die Wachsauflage aus zwei aufeinander liegenden Schichten besteht, die die Haftkraft der Tiere auf ganz unterschiedlichen Wegen reduzieren. Die obere Wachsschicht besteht aus unregelmäßigen 30 bis 50 Nanometer dicken Plättchen (Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter). Sie dienen dazu, die Haftorgane der Tiere zu verschmutzen, indem sie sich an deren Füße heften. Die untere Schicht ähnelt einem Schaumstoff. Sie reduziert die Kontaktfläche, die die Insektenfüße nut-zen, um sich festzuhalten.

"In Laborexperimenten mit Zweipunkt-Marienkäfern konnten wir zeigen, dass die Wachsschichten im Vergleich zu Glas oder der entwachsten Kannenwand der Pflanzen die Haftkraft der Insekten entscheidend verringerte", sagt Elena Gorb. Die Forscher wollen sich nun die neuen Erkenntnisse aus dem Nanokosmos der Natur bei der Entwicklung von Antihaftfolien zu Nutze machen.

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