Tolle Erfindung an der FHM: die Kunst-Blase

- Vom Labor direkt auf den Markt: Eine künstliche Harnblase, ein Ersatzblasen-Implantat aus Kunststoff und Metall, an dessen Entwicklung das Labor für Sensorik der Fachhochschule München (FHM) arbeitet, soll 2006 auf den Medizintechnik-Markt kommen. Die Erfinder wollen die Vermarktung der weltweit ersten künstlichen Blase über eine Firma laufen lassen, eine Ausgründung der FHM, so berichtet Projektleiter Professor Helmut Wassermann. Möglich ist eine solch rasante, anwendungsorientierte Forschung nur durch Arbeitsteilung, so Professor Wassermann.

Die Entwicklung künstlicher Organe sei ein komplizierter Prozess, der nur dann erfolgreich ende, wenn die Aufgaben geteilt und interdisziplinär bearbeitet werden könnten. Deshalb kooperiert die FHM bei der Entwicklung der Kunstblase eng mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und einem Medizintechnik-Unternehmen. <BR>Derzeit durchläuft das Blasen-Implantat eine klinische Testphase im Tiermodell am Lübecker Uniklinikum Schleswig-Holstein. Die FHM-Konstrukteure haben dadurch noch Zeit für die Optimierung der mechanischen und elektrischen Bestandteile.<BR><BR>"Die Blase ist moduliert gebaut", erzählt Professor Wassermann, der sich diese Baueigentümlichkeit gleich patentieren ließ. "Der modulare Aufbau ermöglicht die individuelle Anpassung des Implantats an fast jeden Körper", erklärt er. Der Ingenieur und Mitarbeiter des Projektes, Stefan Peter (FHM) ist auf die Steuerung des Implantats besonders stolz: "Von außen wird die Kunstblase nicht sichtbar sein. Es werden keine Kabel aus dem Körper hängen, da auch die Aufladung der Akkus induktiv, das heißt durch die Haut verlaufen wird. Außerdem kann die Person die Entleerung selber steuern."<BR><BR>Bisher wurden Harnblasen-Ersatzsysteme chirurgisch durch separierte Dünn- oder Dickdarmanteile gebildet. Die Inkontinenzrate dieser "Darm-Blasen" liegt allerdings bei bis zu 24 Prozent, und relativ häufig treten Folgeprobleme bei der Blase auf. <BR><BR>Die medizinische Nachfrage nach einem voll funktionstüchtigen Implantat ist daher groß.<BR>Die Basis für die Forschungsgemeinschaft legte ein in Höhe von 200 000 Euro dotierter Preis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der 2002 an Professor Wassermann und den Lübecker Forscher und Klinikchef Professor Dieter Jocham verliehen wurde.

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