Obwohl er tot ist, wabert die Identität des Verstorbenen noch länger durchs Netz.

Im Internet leben Verstorbene noch einige Monate weiter

Ein Toter in der Freundesliste

Das schelmische Lachen oder die miesepetrige Laune: Nach dem Tod bleibt ein Verstorbener seinen Freunden und Verwandten im Gedächtnis. Auch das Internet konserviert die Erinnerung.

Die virtuelle Existenz bleibt noch einige Monate nach dem Tod erhalten. Das kann bei manchen Anbietern zu Ärger führen, wie vor Kurzem in der Schweiz.

Besonders in den sozialen Netzwerken der Online-Welt finden sich zum Teil sehr persönliche Kontaktseiten – mit Kommentaren, Fotos und Angaben über private Vorlieben. Anfang September ärgerten sich in der Schweiz Freunde und Verwandte eines Verstorbenen über den Anbieter Facebook.

Letzte Botschaft

Während sich im realen Leben in der Regel die Verwandten um die Bestattung eines Toten kümmern, tilgt der Dienstleister Last Message die Fußspuren des Verstorbenen aus dem Internet. Übersetzt bedeutet der Name des Anbieters „letzte Botschaft“. Nach Vorlage der Sterbeurkunde informiert das Unternehmen Freunde, Chat- und Geschäftspartner aus der Online- Welt über den Trauerfall. Danach beantragt Last Message das Löschen des Profils sowie der Zugangsdaten bei den Anbietern. Für die digitale Nachlassregelung bittet der Betrieb zur Kasse: Für 79 Euro widmet er sich den Daten in drei Diensten oder sozialen Netzwerken. Jeder weitere Dienst kostet 19 Euro. Zuvor schicken Internetnutzer die entsprechenden Formulare ausgefüllt zu. Als Beleg erhalten die Kunden eine Urkunde, die sie bei den Dokumenten für den Todesfall deponieren sollten. „Die Wahrung der Privatsphäre und die Sicherheit der Daten hat oberste Priorität“, erklärt Last Message. Sogar Angehörige bekommen keine Informationen über die Online- Aktivitäten der Verstorbenen – außer es ist ausdrücklich gewünscht. (ano)

Obwohl schon länger nicht mehr am Leben, tauchte der Basler immer noch in den Freundeslisten seiner Bekannten auf. Laut Facebook können nur enge Verwandte das Löschen des Profils verlangen.

Doch die greise Mutter des Toten hat noch nie das Internet benutzt – und möchte sich mit der Angelegenheit auch nicht beschäftigen, berichtet die Basler Zeitung. Das Profil des Toten erscheint weiterhin in einem speziellen Status, nur sichtbar für Freunde.

Diese können dort Wünsche und ihr Beileid formulieren, wenn ihnen danach ist. Ähnlich wie Facebook verfahren auch andere soziale Netzwerke. „Sobald wir einen Hinweis bekommen, dass ein Mitglied verstorben ist, wird das Profil für andere Mitglieder unsichtbar geschaltet“, erklärt Thorsten Vespermann von der Kontaktplattform Xing.

Nach drei Monaten verschwindet das Profil endgültig. Vorausgesetzt, dass sich in der Zwischenzeit kein Widerspruch gegen die Profilsperre geregt hat. Die gleichen Rädchen setzen sich bei den VZ-Netzwerken SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ in Bewegung.

Sprecher Dirk Hensen:„Wir setzen uns schnellstmöglich mit den Angehörigen in Verbindung, um mit ihnen gemeinsam zu klären, ob das Profil gelöscht oder bestehen bleiben soll.“ Benutzernamen und Passwörter für E-Mail-Postfächer nimmt der Tote ebenfalls mit ins Grab. Bleibt der elektronische Briefeingang sechs Monate ungeöffnet, deaktiviert der E-Mail-Dienstleister GMX das Postfach. Gespeicherte E-Mails und Daten werden gelöscht.

Ziehen weitere sechs Monate ins Land, gibt GMX die E-Mail-Adresse wieder frei, andere können sich diese sichern. Am Ende des Folgejahres nach Deaktivieren des Zugangs, des so genannten Accounts, löscht dieser Anbieter das Nutzerprofil.

„Insofern bringt es nichts, uns mitzuteilen, dass ein Nutzer verstorben ist“, sagt Sprecher Holger Neumann. Allerdings: Erbberechtigte erhalten bei GMX gegen Vorlage des Erbscheins Zugriff auf das Postfach des Verstorbenen. Andere Dienstleister wie Yahoo verlangen eine Sterbeurkunde, um alle Daten zu löschen. Gleiches gilt für die beliebte Fotoseite Flickr. Bis zur Vorlage eines offiziellen Nachweises bleiben die Bilder eines Verstorbenen online.

Von Andreas Nordlohne

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