Der Traum vom kleinen Privatkino

- Der Projektor ist beinahe mannshoch. Von der Oberseite führt ein dickes Abluftrohr zur Decke. Vorne, zum Kinosaal hin, hat die Maschine unzählige Rollen und Rädchen - ein surrendes Monster. Doch Thomas Hubing erschreckt es nicht mehr. Seit zwei Jahren arbeitet er als Filmvorführer in den Museums-Lichtspielen.

"Am Anfang hast du unglaublich Angst, den Film zu starten", sagt der Jura-Student. Steckt das Zelluloidband falsch herum im Projektor, liegt die Tonspur auf der falschen Seite. "Dann macht es lustige Geräusche", erklärt Hubing. Ist die Lampe im Projektor kaputt, bleibt die Leinwand schwarz. "Das ist dann sehr unangenehm, sagen zu müssen, ,Entschuldigung, der Film fällt aus’", sagt Hubing.

"Einige Male" habe er den Kollegen über die Schulter schauen müssen, bevor er zum ersten Mal selbst einen Film eingelegt habe, erzählt der gebürtige Pfälzer. Für den Fall, dass am Abend überraschend Probleme auftreten, liegen die Telefonnummern der anderen Vorführer parat. "Wenn was passiert, kannst du nur hoffen, dass einer der Kollegen das Problem kennt", sagt Hubing.

Vor allem Verantwortungsbewusstsein sei bei seiner Arbeit gefragt, betont er. "Das ist wie beim Autofahren: Alle Handgriffe sind automatisiert, trotzdem bedarf es immer der Vorsicht", doziert er, während er blitzschnell das Zelluloidband mit der Werbung über die Rädchen am Projektor legt. Durch ein Fensterchen neben dem Projektor prüft Hubing, ob das Bild auf der Leinwand scharf ist. "Durch die Erschütterungen kann sich das mit der Zeit verstellen", erläutert er.

Vier Kinosäle muss Thomas Hubing parallel bedienen. "In anderen Kinos kann man zwischendurch einkaufen gehen oder schlafen, hier hast du Stress", versichert er und eilt aus dem engen Vorführraum ins Foyer. Es duftet nach Popcorn. Auf der Theke sitzt der Kassierer, liest Zeitung. Musik tönt durch die offene Tür des Saals nebenan. Hubing lauscht. "Der letzte Werbe-Trailer", sagt er und hastet in den nächsten Vorführraum.

Schnell drückt er einige Knöpfe, im Saal schließt sich der Vorhang, das Licht geht an. Auf einem großen, runden Teller im Vorführraum liegt der Hauptfilm. Hubing nimmt den Anfang des Streifens und zieht ihn zum Projektor. Für die Leute im Saal beginnen auf Knopfdruck zwei entspannte Stunden, Hubing eilt in den nächsten Vorführraum.

Selten kann er einen Film ganz anschauen. Lernen sei gleich gar nicht drin. Und bis nach der letzten Vorstellung alles aufgeräumt ist, wird es schon mal halb zwei. "Mit dem Jura-Studium verträgt sich der Job nicht so sehr", sagt Hubing. "Aber ich liebe halt Kino und habe deswegen damit angefangen." Später einmal eine Anwaltskanzlei zu haben und im Haus ein kleines Privatkino, damit ginge für ihn schon ein Traum in Erfüllung.

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