Traum vom Stammzellenherz

- Herzspezialisten der Universität Rostock haben bei ersten klinischen Versuchen an sechs Infarktpatienten mit Stammzellen aus derem eigenen Knochenmark vielversprechende Therapieerfolge erzielt, die nun weiter erforscht werden sollen.

<P>Bei dem im Juli 2001 gestarteten Versuch waren die körpereigenen Stammzellen direkt in den vom Infarkt geschädigten Herzbereich gespritzt worden. Erste Ergebnisse zeigten bei fünf von sechs Patienten eine höhere Pumpleistung des Herzens und eine verbesserte Durchblutung des geschädigten Herzmuskels.</P><P>Jetzt soll die Stammzellen-Therapie in einer zweiten Versuchsphase auf mehr Patienten ausgedehnt werden, wie Professor Gustav Steinhoff, Direktor der Herzchirurgie in Rostock erklärte. Hunderte von Teams weltweit arbeiten an Projekten mit Stammzellen für das "Tissue Engineering", die Gewebezüchtung. Die Therapie, die seine Arbeitsgruppe durchführte, sei inzwischen von einer Forschergruppe in Hongkong mit einer abgewandelten Methode ebenfalls erfolgreich getestet worden. "Wir in Rostock haben aber als erste die Stammzellen direkt ins Herz gespritzt", so Steinhoff.</P><P>Stammzellen im Knochenmark dienen eigentlich der Blutbildung. Seit einigen Jahren vermutet man jedoch, dass diese Zellen, die über die Blutbahn durch den Körper wandern können, auch an geschädigten Partien "Reparaturen" vornehmen: "Diese Theorie wurde im Tierversuch bereits bestätigt", so Steinhoff.</P><P>Eine gute Regenerationsfähigkeit zeigen Haut, Leber und Darm - diese Organe bilden auch eigenen Stammzellen. Anders verhält es sich bei Herz, Gehirn und Niere, die kaum zerstörtes Gewebe erneuern können. Daher wird weltweit nach stimulierenden Methoden gesucht, um diese Organe, wenn sie geschädigt wurden, zu heilen.</P><P>In Frankreich und den USA wurden Muskelzellen aus dem menschlichen Bewegungsapparat in Kulturen angesetzt, vermehrt und dann in den Herzmuskel gespritzt. Dabei kam es aber mehrere Male zu Herzrhythmusstörungen. An den Universitäten Düsseldorf und Frankfurt/Main injizierten Herz-Kreislaufforscher Stammzellen in die Blutgefäße, die das Herz versorgen. "Auch das brachte vielversprechende Ergebnisse", kommentiert Steinhoff die Arbeit seiner Kollegen.<BR>Weltweit besonders beachtet worden seien jedoch die Versuche in Rostock.</P><P>Wichtige Fragen sind zu Beginn des zweiten Versuchs freilich noch offen: "Wir können noch nicht genau sagen, was zur Besserung der Patienten geführt hat, vor allem, ob tatsächlich die Stammzellen sich zu Herzmuskelzellen entwickelt haben oder die Regeneration nur beeinflusst haben", dämpft Steinhoff allzu euphorische Hoffungen. Er könne sich aber auch vorstellen, dass man etwa eine Bypass-Operation (Herzkranzgefäßumgehung) mit einer regenerierenden Stammzellentherapie kombiniere. </P><P>Im Tierversuch habe sich jedoch bereits gezeigt, dass die Stammzellen sich in Herzmuskelzellen "verwandeln". Sollte sich das auch beim Menschen bestätigen, denkt Steinhoff bereits an Bioherzklappen aus körpereigenen Stammzellen: "Man könnte Herzklappen ersetzen, indem man eine künstliche Klappe aus einem biologisch abbaubaren Polymermaterial bildet und körpereigene Stammzellen daran anlagert. Die Zellen würden allmählich neues Herzklappengewebe bilden, während das künstliche Material resorbiert wird. Übrig bliebe dann eine stabile Herzklappe, nachgewachsen aus den Stammzellen. </P><P>Lexikon aktuell Stammzellen</P><P>Erwachsene haben etwa zwanzig verschiedene Stammzelltypen. Sie sind werden adult genannt. Sie sind organspezifisch, ersetzen kurzlebige Zellen und helfen bei Reparaturen. Stammzellen bilden im Knochenmark frische Blutbestandteile. Andere erneuern Muskeln und Bindegewebe. Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen entwickelt sich aus adulten Stammzellen kein Mensch.</P><P><BR> </P><P> </P>

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