40 Trojaner in einem einzigen Computer

Berlin - Jeder zweite Internetnutzer ist bereits Opfer krimineller Methoden geworden. Das ergab eine Forsa-Studie zur Internetkriminalität, die der Branchenverband Bitkom vorstellte.

Gemeinsam mit BKA-Präsident Jörg Ziercke riet Bitkom-Vorstandsmitglied Dieter Kempf aus diesem Anlass zu verstärkter Vorsicht beim Surfen. Nutzer des Onlinebankings sollten sich möglichst immer der aktuellsten Sicherheitsstandards bedienen. Ziercke rief zudem Behörden und Wirtschaft zu gemeinsamem Vorgehen bei der Optimierung von Repression und Prävention der Internet-Kriminalität auf. Phishing, also das Ausspähen von Nutzerdaten durch Kriminelle, “ist der Bankraub des digitalen Zeitalters“, sagte Ziercke.

Er empfahl eine Art konzertierte Aktion mit dem Ziel, im Wettlauf der Sicherheitsbehörden mit den inzwischen global organisierten Kriminellen schneller zu werden. Laut Kempf wird es 2009 rund 2.900 angezeigte Phishingfälle geben, die einen durchschnittlichen Schaden von 4.800 Euro beim Betroffenen verursachen. Die bisher wirksamsten Methoden, sich beim Onlinebanking gegen Phishing zu schützen, sogenannte mTANs oder das HBCI-Banking, würden allerdings nicht besonders gut von den Kunden angenommen. Beim mTAN-Verfahren erhält der Nutzer für jede Überweisung eine Transaktionsnummer auf das Handy; beim HBCI-Banking benötigt er einen speziellen Identifikationschip und ein Lesegerät an seinem Rechner.

Ziercke wies darauf hin, dass es sich bei den Internetkriminellen in der Regel nicht mehr um “technikbegeisterte Einzeltäter“ handele, sondern um international organisierte Ringe. Die mit der Einnistung von Trojanern verbundene Kriminalität sei von 2007 bis 2008 um 68 Prozent, die mit der Fälschung von Webseiten verbundene um rund 30 Prozent gestiegen. Er warnte auch vor verschiedenen, als einfach propagierten Zahlungsmethoden im Internet, die besonderes Ziel der Underground Economy seien, einer kriminellen Internet-Gemeinde, die mit gestohlenen Adressen und anderen Nutzerdaten handele und sie gezielt einsetze.

Als gefährdet stufte er unter anderem PayPal, ClickandBuy sowie die Ebay-Daten ein. Die gestohlenen Daten seien meist auf schwer zugänglichen Servern im Ausland geparkt. Zudem nehme die “Bot-Netz-Kriminalität“ dramatisch zu. Das sind Netze aus privaten oder Firmenrechnern, die aus dem Netz mit Steuerungssoftware infiziert werden. Das ermöglicht es den Kriminellen, die Rechner unbemerkt vom eigentlichen Nutzer zu steuern und damit - eventuell in dessen Namen - illegale Transaktionen durchzuführen. Auf einem beschlagnahmten Rechner habe das BKA 40 Trojaner gefunden, berichtete Ziercke.

ap

Rubriklistenbild: © Jens Schierenbeck/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weitergabe von Kontaktdaten an WhatsApp unzulässig
Werden persönliche Daten an Messenger-Dienste weitergegeben, geschieht das nicht immer mit der Zustimmung der betroffenen Personen. Ein Urteil aus Bad Hersfeld stellt …
Weitergabe von Kontaktdaten an WhatsApp unzulässig
Nintendo bringt im September Mini-Version des Super-NES
Nintendos Super NES - in Deutschland als Super Nintendo bekannt - ist ein Konsolen-Klassiker. Im September kommt das 16-Bit-Spielgerät in einer verkleinerten …
Nintendo bringt im September Mini-Version des Super-NES
Facebook will eigene Serien zeigen
Die TV-Ambitionen von Facebook gehen offenbar weiter als bisher bekannt. Das weltgrößte Online-Netzwerk will nach Informationen des "Wall Street Journal" auch exklusiv …
Facebook will eigene Serien zeigen
Wann Smartphones verboten sind und wann nicht?
In der Schule, im Schwimmbad oder Krankenhaus - Smartphones sind überall. Aber nicht überall sind sie auch gern gesehen. Wie verhalten sich Lehrer und Ärzte, wenn …
Wann Smartphones verboten sind und wann nicht?

Kommentare