Tropische Stürme können Jungbrunnen für Meerestiere sein

- Hurrikane, die tropischen Wirbelstürme Mittelamerikas, die vor allem über der Karibischen See, im Golf von Mexiko und bei den Westindischen Inseln regelmäßig wüten, bringen nicht nur verheerende Zerstörungen. Meeresbiologen des Virginia Institute of Marine Science und der University of Wales (Großbritannien) haben vielmehr entdeckt, dass die Wirbelstürme eine wichtige Rolle spielen für die biologische Vielfalt in der Natur. In der Folge des Hurrikans Isabel im September 2003 stellte man eine drastische Zunahme von Weichtieren an den Küstenflächen fest.

Cara Hughes von der University of Wales und Mark Luckenbach vom Virginia Institute of Marine Science haben die Fauna in den Wattbereichen in den flachen Meeresregionen kurz vor und knapp nach dem Hurrikan Isabel untersucht. In diesem Teil des Meeres leben vor allem Röhrenwürmer, kleine Krustentiere, Muscheln und Schnecken.<BR><BR> Die Ökologen entdeckten viele Tierarten, deren Zahl nach dem Sturm wesentlich zugenommen hatte. Dabei handelte es sich vor allem um kleine Weichtiere. Gerade diese so genannten Mollusken spielen in der Nahrungskette der Meeresbewohner eine wesentliche Rolle. So ernährt sich die stark befischte, weil gern verspeiste Krabbe "Blue Crab" in erster Linie von den Lebewesen in diesen Meeresregionen. <BR><BR>"Hurrikane sind Teil eines natürlichen Zyklus. Sie wirken wie ein Reinigungsprozess, ähnlich wie Buschfeuer oder Waldbrände auf dem Festland", sind die Experten überzeugt. "Hurrikan-Ereignisse sind auch für gesunde Riffe eine Verjüngungskur", sagt der Paläontologe Professor Reinhold Leinfelder vom GeoBioCenter der Universität München. "Das ist wie bei einer Wiese. Wenn sie gemäht wird, haben viele Blumen wieder eine Chance zu wachsen".<BR><BR>Fegt ein Hurrikan über die Riffe, wird dort vieles zerbrochen. "Damit haben auch langsam wachsende und seltenere Arten wieder die Möglichkeit, sich anzusiedeln", erklärt der Riffexperte. "So wird in einem gesunden Riff die Diversität erhalten." Manche Korallen nützen Stürme sogar als Vermehrungsstrategie. "Die Korallen werden zerbrochen, weitertransportiert und können sich an anderer Stelle wieder regenerieren." <BR><BR> Anders sieht es in bereits geschädigten Riffen aus. Leinfelder: "Sind zu viele Nährstoffe im Wasser oder die Korallen wegen des warmen Wassers schon weitläufig abgestorben, siedeln sich auf den neuen Bruchflächen Weichalgen an, die alles überwuchern und den eingesessenen Riffbewohnern keine Chance lassen."<BR><BR> Für gesunde Ökosysteme sind auch zu viele Hurrikane schädlich, sind die Experten überzeugt. Doch ihre Zahl nimmt zu. Sie hat sich in der letzten Dekade um das Doppelte gesteigert. Auch die Wassertemperaturen steigen ständig weiter an.<BR><BR>In der Klimaveränderung sieht Leinfelder eine Gefahr für die Oasen der Meere. "Durch die Klimaerwärmung kann es zu einer Zunahme der Hurrikane kommen," meint der Paläontologe. "Selbst in einem gesunden Riff dürfen die Stürme nicht zu oft auftreten," sagt Leinfelder. "Riffe brauchen etwa zehn Jahre zur Regenerierung."

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