Trotz Fans und Tweets: Wahlkampf im Internet ausbaufähig

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat 3340 Fans, bei seiner SPD-Herausforderin Hannelore Kraft sind es 2387. Zumindest bei Facebook. Vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 9. Mai twittern und bloggen alle großen Parteien.

Barack Obama hat es vorgemacht, mit Videos auf YouTube und seinem offenen Terminkalender. Seitdem wird auch in Deutschlands Wahlkämpfen auf die Macht des Internets gesetzt. Aber nutzen die Parteien das Potenzial des Internets im Wahlkampf tatsächlich aus? Die Seiten der NRW-Parteien offenbaren, dass Inhalte oftmals zu kurz kommen und sogar die Wahlprogramme nicht immer sofort zu finden sind.

„Das Internet müssen alle Parteien einsetzen“, sagt der Parteienforscher Professor Karl-Rudolf Korte der Universität Duisburg-Essen. In Deutschland bleibe es aber „nach wie vor eine Nischenkommunikation“. YouTube, Twitter, Flickr und die sozialen Netzwerke werden vor der Landtagswahl von allen Parteien eingesetzt. Doch geht es nur ums Dabeisein oder verbirgt sich dahinter eine echte Wahlkampfstrategie?

Es gibt im Internet eine Regel, nach der man nach drei Klicks spätestens zum Ziel einer Website gelangt sein soll. Nach diesem Kriterium schneiden die Internetseiten der NRW-Parteien schlecht ab. Vielfach ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass überhaupt eine Landtagswahl ansteht. Wahlprogramme sind relativ versteckt.

Die CDU will mit einem Bürgergespräch mit Jürgen Rüttgers punkten, in dem der Ministerpräsident per Video Fragen von Menschen auf der Straße beantwortet. Doch es gibt Lücken. Nach dem großen Wahlkampfauftakt am vergangenen Samstag wurde auf der Seite www.nrw- fuer-ruettgers.de gebloggt - kein Beitrag war jedoch im Blog der NRW- Parteiseite zu finden.

Der Blog der SPD will die Stimmung von der Wahlkampf- Auftaktshow vermitteln. Und bitte, liebe Bürger, geht doch wählen: „Mit einem Schritt vor die Tür ließe sich auch direkt der Brötchenkauf erledigen und ein Hund, der schon sehnsüchtig auf das erste Gassi gehen wartet, glücklich machen“, empfiehlt der SPD-Blog. Ansonsten bietet die SPD mit „Kraftvoll - Das Webrestaurant“ eine Plattform, auf der sich die Landtagskandidaten vorstellen können.

Die Grünen sind Spitzenreiter im Twittern. Mit 1916 Followern haben sie sowohl die weit größte Anhängerschaft und mit 2724 Tweets (Mitteilungen) beweisen sie, dass sie das Zwitschern beherrschen. Auf einer Karte werden die Tweets geografisch dargestellt. Getwittert werden dabei Kommentare zu politischen Konkurrenzveranstaltungen wie Aufrufe zu eigenen. Auch die FDP ruft über Twitter zu Veranstaltungen auf und verbreitet die Wortmeldungen des Spitzenkandidaten Andreas Pinkwart.

Bei der Linken ist nicht nur die Twitter-Quote relativ gering. Die aktuellen Einträge datieren von Ende März, davor wurde zuletzt im November 2009 gezwitschert. Zunehmend melden sich Blogger mit Störfeuern zu Wort. Ein NRW-Blog berichtet im Wahlkampf ausführlich über Interna aus der CDU.

Noch sind die NRW-Parteien weit davon entfernt, das Internet voll auszuschöpfen. Anstatt die sozialen Netzwerke als Plattform zu nutzen, um mit Bürgern zu kommunizieren, bieten sie oft nur digitale Poesiealben. Da schreibt zum Beispiel Rüttgers auf StudiVZ, seine Lieblingsbands seien die „Pet Shop Boys“ und „Beethoven“. Und Hannelore Kraft mag es musikalisch „querbeet“. (dpa)

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