Tschernobyl ist noch nicht gegessen

- Auch 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl sind Pilze noch stark radioaktiv belastet. Das Umweltinstitut München e. V. bietet in der Pilzsaison daher kostenlose Strahlenbelastungs-Messungen von Waldprodukten an. "Die Strahlenbelastung von Pilzen ist abhängig vom Fundort und der Pilzart", sagt Karin Wurzbacher vom Umweltinstitut. Starke Belastungen seien vor allem in Gebieten zu erwarten, in denen es besonders viel des radioaktiven Cäsiums abgeregnet habe, wie etwa im Münchner Süden, Alpenvorraum, Berchtesgadener Land und Teilen des Bayerischen Waldes.

Wiesenpilze sind nur wenig belastet

Zusätzlich nehmen die Pilze das Cäsium aus dem Boden unterschiedlich gut auf. Röhrlinge reichern laut Wurzbacher die Radioaktivität am stärksten an. Durchschnittlich 1000 Becquerel nimmt man mit einem Kilogramm Maronenröhrlingen oder Birkenpilzen zu sich. "Dagegen ist der Parasol, der jetzt sehr häufig zu finden ist, nur mit etwa 20 Becquerel pro Kilogramm Frischgewicht belastet", sagt die Physikerin. Die Europäische Union hat als Grenzwert für Nahrungsmittel 600 Becquerel pro Kilogramm festgesetzt.

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift am besten auf Wiesenpilze zurück. Sie sind im Gegensatz zu Waldpilzen nur gering belastet. Denn auf Wiesen halten die Tonmineralien im Boden das Cäsium fest, sodass es für die Pilze nur schwer verfügbar ist. Im Waldboden liegt die mineralische Schicht jedoch tief unter der Humusschicht, aus der das Pilzmycel Cäsium gut aufnehmen kann.

Jeder Pilzsammler kann von August bis Oktober kostenlos messen lassen, wie stark belastet die Schwammerl aus seinem Gebiet sind. Die Physikerin Wurzbacher braucht für die Analyse mit dem Gammaspektrometer mindestens 250 Gramm sortenreine Pilze. Das Material muss für den Transport mit der Post fest eingeschweißt und der Fundort angegeben sein. Nach einer Woche ist das Ergebnis der Analyse telefonisch beim Institut zu erfahren.

Ganz uneigennützig bietet das Umweltinstitut die Strahlenanalyse nicht an: Die Ergebnisse der Untersuchungen werden gesammelt. So lassen sich Trends in der Radioaktivitätsbelastung von Pilzen und anderen Waldfrüchten erkennen. "Allein schon aufgrund der physikalischen Halbwertszeit von 30 Jahren konnten wir eine Abnahme beobachten", sagt Wurzbacher. Zur Halbwertszeit ist nur noch die Hälfte der ursprünglichen Menge an Cäsium vorhanden. In nächster Zeit ist jedoch nicht mit einer drastischen Abnahme der Radioaktivität zu rechnen. Der Abbau verlangsamt sich nach den ersten Jahren.

Belastete Pilze erhöhen das Krebsrisiko

Der menschliche Körper scheidet die Hälfte des aufgenommenen Cäsiums laut Wurzbacher schon nach 100 bis 120 Tagen wieder aus. Wer regelmäßig belastete Pilze isst, erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken, jedoch deutlich. 500 Gramm Pilze, die 3000 Becquerel pro Kilogramm Cäsium enthalten, belasten den Körper so stark, als würde die Lunge ein Mal geröntgt.

Wer Pilze analysieren lassen will, schickt mindestens 250 Gramm einer Sorte an:

Umweltinstitut München e. V., Landwehrstraße 64 a, 80336 München.

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