TU-Augenklinik entwickelt Kunst-Hornhaut

- Ein neuer Wind weht durch die Augenklinik am Klinikum rechts der Isar der TU München. Im Frühherbst wurde noch ihre Schließung diskutiert - nicht zuletzt, weil sie rote Zahlen schrieb. Jetzt sind ihre Zahlen schwarz, und der neue Klinikchef sorgt mit der Züchtung einer künstlichen menschlichen Hornhaut aus Stammzellen für Aufsehen in Forschungskreisen.

<P>Die Hornhaut ist das Fenster, durch das wir sehen. Ist es durch Infektionen, Verletzungen oder angeborene Erkrankungen getrübt, sehen wir schlecht oder gar nichts. Man kann dieses Fenster aber nicht "putzen". Eine trübe Hornhaut muss durch eine gesunde, klare Hornhaut ersetzt werden. Bisher können Patienten nur auf die Transplantation einer gespendete Hornhaut von Verstorbenen hoffen. In Deutschland warten derzeit über 5000 Patienten auf eine Hornhaut. In Zukunft dürfte sich das ändern.<BR><BR>Der Weg führt über Stammzellen</P><P>Professor Dr. Chris Lohmann (41), seit 1. Oktober neuer Chef in der Augenklinik rechts der Isar der TU München, befasst sich schon lange mit Methoden zur Züchtung einer künstlichen Hornhaut fürs menschliche Auge.<BR><BR>Erste Erfolge errang er in Kooperation mit der Universität Ottawa (Kanada): Aus den drei Zelltypen, die in der menschlichen Hornhaut vorkommen, konnte er eine neue Hornhaut über einer Trägerstruktur aus Collagen züchten, die jetzt zum Ersatz von Tierversuchen verwendet wird, um die schädigende Wirkung mit Chemikalien und Medikamenten zu testen.<BR><BR>Lohmann, der zunächst kommissarisch von Regensburg nach München berufen wurde, visiert jedoch das Ziel einer Hornhaut aus adulten Stammzellen an, die ins menschliche Auge verpflanzt werden kann. <BR><BR>"Wir befinden uns noch im Tierversuch", erklärt er. Dabei geht es vor allem um Fragen der Gewebeverträglichkeit und Wundheilungsreaktionen. "Es ist aber denkbar, dass wir schon im Laufe des Jahres 2005 das erste wirklich durch das so genannte Tissue Engineering hergestellte Organ zur Transplantation am Menschen klinisch testen können".<BR><BR>Die Arbeit mit menschlichen Stammzellen (erwachsenen, nicht embryonalen) lässt Lohmann auch sonst nicht los: Er entwickelt Systeme, um Medikamente und Stammzellen langsam (über Wochen bis Monate) an erkrankten Stellen am Auge freizusetzen. <BR><BR>Es gebe zwei Projekte, erklärt der neue Augenklinik-Chef: Zum einen werde auf die Augenoberfläche ein Medikamententräger mit Wachstumsfaktoren aufgebracht, die dann über zwei Wochen freigesetzt werden. "Damit können eine Reihe bisher nicht gut behandelbarer Hornhauterkrankungen wie trockenes Auge, Hornhautgeschwür nach Verätzung oder Herpes-Infektionen therapiert werden." <BR><BR>Im zweiten Projekt geht es um einen Träger, der im Auge Stammzellen zur Reparatur bei bestimmten Netzhauterkrankungen (wie Maculadegeneration und Retinitis pigmentosa) freisetzt.<BR><BR>Natürlich macht der neue Augenklinikchef nicht nur Forschung. Er ist spezialisiert auf Netzhautoperationen (bei Diabetes-Folgen, Netzhautablösung oder Maculadegeneration) und Operationen an der Augenoberfläche.</P>

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