Umzug von Garching nach Grenoble

- Die dritte Teilgenehmigung der Bundesregierung für den Forschungsreaktor FRM II in Garching steht immer noch aus. Solange sie nicht erteilt ist, liegt der Forschungsreaktor der Technischen Universität München still. Ein leerer, unbenutzter Bau für fast 500 Millionen Euro. Sein Unterhalt kostet täglich 125 000 Euro. Ungeduldig in den Startlöchern stehen vor allem die Teilchenphysiker. Und einige konnten oder wollten nicht mehr warten, bis sie in Garching experimentieren dürfen. Sie verlegten inzwischen ihre Experimente.

<P><BR> </P><P><BR> Die einen nach Berlin, die anderen nach Grenoble in Frankreich. Dort steht die Neutronenquelle des Instituts Laue Langevin (ILL), die prinzipiell die gleichen Möglichkeiten bietet, wie sie der FRM II haben soll. Am ILL arbeiten mehr als 400 Wissenschaftler mit den Neutronen. Vor allem werden hier Streuexperimente durchgeführt. Dabei werden Neutronen auf eine Probe geschossen, deren Eigenschaften man durch die Streuung der Teilchen dann analysieren kann. <BR><BR>Zwei Physiker, die von München nach Grenoble abgewandert sind, sind Prof. Oliver Zimmer und Christian Plonka von der Technischen Universität München. Sie wollen in Grenoble die Neutronen selbst und ihre Zerfallsprodukte untersuchen.<BR><BR>Teilchenforschung in bergiger Umgebung<BR> <BR>Vor einem Monat haben sie in Garching ihre gesamte technische Ausrüstung in einen großen Lastwagen geladen und sind nach Grenoble abgewandert. Jetzt bauen sie ihre Gerätschaften in der großen Halle neben dem Reaktor auf. Ab April werden sie ein halbes Jahr lang messen. Ihre Unterkunft haben die beiden im Gästehaus des ILL gefunden. Auch ihre knappe Freizeitgestaltung lässt keine Wünsche offen. Die Universitätsstadt Grenoble ist umgeben von Bergen, die zu ausgiebigen Touren geradezu einladen. <BR><BR>Während in Grenoble sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt zur Zeit die Klinke in die Hand geben, soll der FRM II vorerst vor allem deutschen Teilchenphysikern zur Verfügung stehen, erklärt Werner Press, der am ILL für die Projektkoordination, die Technik und die Instrumentalisierung zuständig ist, aber auch am FRM II tätig ist. <BR><BR>Stärkste Neutronenquelle bleibt den Franzosen<BR> <BR>Die Arbeitsatmosphäre am ILL ist sehr gut. Fast jeder kennt jeden. Wenn der Projektkoordinator durch die Hallen am ILL geht, erzählt er, braucht er oft sehr lange bis er an seinem Ziel angekommen ist. Jeder will begrüßt werden, man wechselt ein paar unverbindliche Worte. "Die Franzosen sind schon fast beleidigt, wenn man das nicht tut", so Press.<BR>"Konkurrenz oder Kompetenzrangeleien zwischen den beiden Neutronenquellen werden so schnell nicht aufkommen", ist sich Press sicher. "Der Wissensaustausch wird natürlich erst einmal von Grenoble nach Garching stattfinden. Aber sobald sich dort alles eingespielt hat, wird es auch umgekehrt der Fall sein. Natürlich ist die Instrumentalisierung am FRM II auf dem neuesten Stand, was uns ganz neue Perspektiven eröffnen wird". <BR><BR>Aber auch Grenoble hat seine Vorteile. Denn das ILL wird weiterhin die stärkste Neutronenquelle bleiben.<BR>Optisch besteht zwischen den beiden Forschungseinrichtungen kein Unterschied. Das Herz der Anlage ist der Reaktor, der mit dicken Betonwänden umgeben ist. Außerhalb dieses Hochsicherheitstraktes befinden sich die Experimentierhallen. In Grenoble wie auch in Garching sind es zwei. In Garching soll in Zukunft noch das ausrangierte Atom-Ei zur Experimentierhalle umfunktioniert werden. Sobald der FRM II einmal voll in Betrieb ist, können hier gut 50 Experimente gleichzeitig durchgeführt werden. <BR><BR>Wenn die dritte Teilgenehmigung für den FRM II endlich vorliegt, wird es auch in Garching ernst. Die Brennelemente warten schon in Frankreich auf ihre Abholung. Danach ist erst einmal ein halbes Jahr lang ein Probebetrieb nötig. Französischer Besuch ist schon jetzt garantiert. Dann wird es auch in Garching heißen: "Bienvenue a FRM II". </P><P> </P><P> </P>

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