Unaufgeklärter Mord in Kehlheim an der Donau

- Mit einem bis heute unaufgeklärten Kriminalfall der bayerischen Geschichte befasst sich diese Woche die Bavaristische Ringvorlesung der LMU. Prof. Peter Schmid trägt am Mittwoch, 6. November, ab 19 Uhr im Audimax des Hauptgebäudes alle Spuren zusammen, die es zum Mord an Herzog Ludwig I. von Bayern gibt.

<P>Kehlheim an der Donau war der Schauplatz der Mordtat. Am 15. September 1231 war Herzog Ludwig aus dem Hause Wittelsbach mit seinem Gefolge unterwegs, als er von einem Mann auf offener Straße erstochen wurde. Der Täter, der an Ort und Stelle von den Begleitern des Herzogs getötet wurde, nahm seine Identität, sein Motiv und das Wissen um mögliche Hintermänner mit ins Grab. Das absolute Unwissen öffnete natürlich der Spekulation Tür und Tor. Feinde, das weiß man, hatte der Bayernherzog genügend.</P><P> Ludwig betrieb im Herzogtum Bayern eine sehr intensive Territorialpolitik. Er versuchte Land und Burgen, über die er als Herzog eigentlich nur eine Oberherrschaft hatte, in seinen direkten Besitz zu bringen. Das machte ihm die Adeligen im Land zu Feinden. Darüberhinaus amtierte Ludwig als Statthalter des Kaisers Friedrich II.</P><P> Der Herzog war der Vormund des jungen Kaisersohns Heinrich und wegen verschiedener Fragen mit dessen schwäbischen Anhängern in Streit geraten. Man darf auch nicht vergessen, dass Ludwigs Vorgänger als Statthalter, der Kölner Erzbischof Engelbert, rund sechs Jahre vorher ebenfalls ermordet worden war. Schließlich war da noch Kaiser Friedrich II. selbst, der sich in seinem Kampf gegen den Papst nicht hundertprozentig auf die Treue des Wittelsbacher verlassen zu können glaubte.</P><P> Trotz dieser Gemengelage an Verdächtigen machten die Zeitgenossen bald den Stauferkaiser als Schuldigen aus. Die meisten Quellen vermuteten, dass der hauptsächlich in Italien wirkende Kaiser den Mordauftrag von Kehlheim erteilt hatte. Da Friedrich entgegen der überwiegenden Zahl der anderen europäischen Herrscher der Zeit ein gutes Verhältnis zur arabischen Welt hatte, wurden auch Vermutungen laut, der Kaiser hätte einen muslimischen Selbstmordattentäter gedungen.</P><P> Diese Männer, die Assassinen, hatten in den zurückliegenden Jahrzehnten schon eine Reihe von spektakulären Attentaten verübt. Einen Beweis für die Anschuldigungen konnte jedoch keiner der Chronisten bringen, so dass die Mordtat ein Rätsel der Geschichte bleiben wird.<BR></P>

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