Unbekanntes Ökosystem

- Erstmals haben Forscher der amerikanischen National Science Foundation in einen unterirdischen See unter dem antarktischen Eis einen Einblick erhalten. Dabei entdeckten sie überraschend flüssiges Wasser.

Wie die US-Geologen in dem Wissenschaftsjournal "Science" berichten, handelt es sich bei dem antarktischen Lake Vida wahrscheinlich um ein bisher unbekanntes Ökosystem, einen eisversiegelten See mit Wasser, das sieben mal salziger ist als Meerwasser. <BR><BR>Der See ist mit fünf Kilometern Länge einer der größten Eisseen in der antarktischen Wüste des McMurdo-Tals. In dieser Region fallen im Jahr nur rund zehn Zentimeter Schnee, die Durchschnittstemperaturen liegen bei minus 30 Grad. Bislang hielten Wissenschaftler den Lake Vida für einen der antarktischen Seen, die ganzjährig bis auf den Grund durchgefroren sind. <BR><BR>Doch mit Eisbohrkernanalysen und Radarvermessungen konnten Peter Doran von der Universität von Illinois und seine Kollegen von der Universität von Montana nun zeigen, dass im See eine Zone existiert, die noch bei Temperaturen unterhalb von Minus zehn Grad Celsius flüssig bleibt. Diese Flüssigkeitsschicht liegt zwischen einer dicken lichtundurchlässigen Deckschicht aus Eis und einem Sediment, das reich an organischem Material ist. <BR><BR> Bereits 1996 zogen die Wissenschaftler zwei Bohrkerne aus dem Lake Vida und erforschten mit ihrer Hilfe die im Eis konservierte chemische und biologische Geschichte des Sees. Es gelang ihnen, aus dem Eis 2800 Jahre alte Mikroorganismen zu isolieren und im Labor wieder zu beleben. <BR><BR>"Die Eisdecke dieses Sees repräsentiert eine Oase für Leben in einer früher für lebensfeindlich gehaltenen Umwelt", erklärt Doran. "Diese Lebensformen könnten neue, bislang unbekannte Frostschutz- oder Eiskristallhemmer enthalten, die es ihnen erlauben, die Schmelz- und Gefrier-Zyklen des Eises zu überdauern und zum Leben zu erwachen, wenn sie mit flüssigem Wasser in Berührung kommen". <BR><BR>Doch noch wichtiger für die Wissenschaftler ist die Tatsache, dass bei so kalten Temperaturen DNA extrem gut konserviert wird. Die DNA wird dadurch für die Biologen zu sogenannten "Eismuseen". <BR>Die Erforschung der archaischen DNA der Mikroorganismen aus dem Lake Vida könnte, so hoffen die Forscher, Einblick in deren evolutionäre und funktionelle Geschichte geben und Rückschlüsse auf mögliches Leben im dem berühmten See "Lake Wostok" erlauben, dem großen Süßwassersee 4000 Meter unter antarktischem Eis.<BR>"Lake Vida bietet einen Einblick in ein neues terrestrisches Ökosystem", so Doran. "Was zu seiner Entstehung führte, könnte auch in anderen antarktischen Seen und sogar tropischen aquatischen Ökosystemen während extremer Kaltzeiten der Erde wie beispielsweise vor 550 Millionen Jahren geschehen sein". <BR><BR>Die Forscher sehen im Lake Vida auch Hinweise auf mögliche Fundorte für früheres mikrobielles Leben auf dem Mars: "Der Mars hat vermutlich eine wasserreiche Vergangenheit gehabt, und wenn sich Leben entwickelt hat, könnte ein Ökosystem vom Typ Lake Vida diesem eine Nische geboten haben, bevor alles Wasser gefror", vermutet Doran.

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