Ein unersetzlicher Verlust für die Menschheit

- Den Verlust von unersetzlichen Zeugnissen aus den Bibliotheken des alten Mesopotamien beklagen Keilschriftexperten in aller Welt, seit sie von den verheerenden Museumsplünderungen in Bagdad erfahren haben. "Allein aus der Bibliothek von Sippar waren so viele babylonische Texte im Nationalmuseum des Irak gelagert, die noch gar nicht dokumentiert, geschweige denn gelesen werden konnten", bedauert Professor Walther Sallaberger, der Leiter des Instituts für Assyriologie und Hethitologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Tausende wertvolle Tontäfelchen, die vor 5200 bis 1000 Jahren von Assyrern und Babyloniern eng mit Keilschrift beschrieben wurden, fielen den Räubern und Plünderern in die Hände. Auch ein Originaltext des berühmten Gilgamesch-Epos aus Babylon befindet sich unter der Diebesbeute.

Die Ton-Schriftstücke, die vom Leben der ersten Hochkulturen der Menschheit im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris zeugen, sind wohl für immer verschwunden, wie die Archäologen befürchten.

Im irakischen Nationalmuseum in Bagdad lagerte die weltweit bedeutendste Sammlung mesopotamischer Altertümer aus mehreren Jahrtausenden. Doch eben nicht nur unzählige Kunstwerke fielen den Räubern zum Opfer, sondern auch die schriftlichen Aufzeichnungen der ersten Hochkulturen. Die in Ton eingeritzten Keilschrift-Dokumente hatten sich über die Jahrtausende gut erhalten - anders als zum Beispiel die Papyrus-Rollen in Ägypten. Viele der Dokumente waren im Museum nicht ausgestellt, sondern lagerten zur wissenschaftlichen Auswertung in den Depots.

800 Texte sind

für immer verloren

Aus einem der Depots wurde die im Jahre 1986 bei der kleinen Stadt Sippar, südwestlich von Bagdad, gefundene Tontafel-Bibliothek entwendet. Es sind mehr als 800 literarische Texte, die Aufschluss über das geistige Leben und die Geschichtsschreibung von Assyrern und Babyloniern hätten geben können.

Die Zahl der Wissenschaftler rund um den Globus, die sich mit der Keilschrift beschäftigen ist viel zu klein, um den reichen Fundus an Textmaterial rasch verarbeiten zu können.

Um aber die historischen Artefakte richtig einordnen zu können, sei es für Archäologen und Historiker "vor allem wichtig, das öffentliche, kulturelle und administrative Leben einer Kultur zu rekonstruieren", betont Sallaberger. Diese Möglichkeit ist durch die Keilschrift-Sammlungen der Assyrer und Babylonier gegeben. "Im Irak wird nun die Chance, das Leben der frühen Hochkulturen zu rekonstruieren, durch die Plünderungen ganz erheblich erschwert. Die jahrzehntelange Forschungsarbeit europäischer, amerikanischer und irakischer Archäologen, die an den Ausgrabungen beteiligt waren, ist damit zunichte gemacht".

Gerade für den Irak könnten die Altertümer über die Wissenschaft hinaus eine besondere Bedeutung erlangen, meint der Münchner Experte: "Eine gemeinsame Vergangenheit hält ein Volk zusammen, auch wenn es so viele unterschiedliche ethnische Gruppen wie im Zweistromland gibt." Die geraubten Schätze werden, soweit sie nicht zerstört wurden, bei Privatsammlern verschwinden, befürchtet er. "Nach dem ersten Golfkrieg im Jahre 1991 wurden auch schon viele Museen geplündert - das Diebesgut ist nie wieder aufgetaucht", erinnert sich Walther Sallaberger. "Es gibt wohl zu viele kaufkräftige Interessenten und der Kunsthandel weiß seine Klientel zu bedienen".

Internet:

Die Homepage des Instituts für Assyriologie und Hethitologie der Ludwig-Maximilians-Universität enthält Informationen über die Keilschrift der Assyrer und Babylonier, sowie weiterführende Links und Buchempfehlungen zum Thema.

www.fak12.uni-muenchen.de/assyr/index.html

 

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