Unerwartete Fremd-Gene

- Pflanzen verschiedener Arten tauschen untereinander Gene aus: Die einstige Lehrmeinung, dass Pflanzen verschiedener Arten während der gesamten Evolution nur extrem selten Gene untereinander ausgetauscht haben - wenn überhaupt, lässt sich heute nicht mehr halten.

<P>Jetzt liefert eine neue Studie amerikanischer Forscher, die gerade im britischen Wissenschaftsmagazin Nature erschienen ist (Bd. 424, S. 197-201), erstmals Anhaltspunkte dafür, dass der so genannte horizontale Gen-Transfer von einer Pflanzenart zur nächsten gar nicht so rar ist, wie gedacht. </P><P>Der Biologe Jeffrey Palmer von der Indiana University untersuchte Erbmaterial (DNA) aus den Mitochondrien (den Zell-Kraftwerken) von rund 100 Pflanzenarten. </P><P>Anhand der Ähnlichkeit der Gen-Sequenzen erstellte er ein Schema, wie eng diese Pflanzen miteinander verwandt sind. Dabei fand er heraus, dass die Mitochondrien-Gene von fünf der untersuchen Arten - nämlich Kiwi, Geißblattgewächsen, Birken, kanadischer Blutwurz und Amborella - viel stärker mit den Genen weit entfernter Arten übereinstimmten, als mit den Genen von Pflanzen, die eigentlich als deren nahe Verwandte gelten. </P><P>Durch Fähren in andere<BR>Zellen eingeschleust</P><P>Palmer sieht darin einen deutlichen Hinweis darauf, dass diese Pflanzen die entsprechenden DNA-Abschnitte im Laufe der Evolution über einen horizontalen Gen-Transfer erhalten haben müssen. </P><P>Wie der Gen-Austausch zwischen den artfremden Pflanzen funktionierte, ist noch unklar. der Biologe glaubt, dass die Gene durch "Fähren", sei es über Viren, Bakterien oder Pilze, in die fremden Organismen geschleust worden sein könnten. </P><P>Möglich sei auch, dass Pflanzen aus dem Boden DNA aufnehmen, die andere Pflanzen dort zurückgelassen haben. Eine dritte Variante lautet, dass auch artfremde Pflanzen sich gelegentlich direkt miteinander kreuzen. </P><P>Horizontalen Gen-Transfer hatten Biologen bislang nur bei Bakterien, die als so genannte Prokaryonten keinen echten Zellkern besitzen, nachweisbar beobachtet. Bei ihnen kommt der Austausch von Erbgut zwischen verschiedenen Arten recht häufig vor. Wissenschaftler schätzen, dass bei einigen Bakterienarten bis zu 25 Prozent der DNA von fremden Organismen stammen. </P><P>Aufgrund der neuen Erkenntnisse bei den Pflanzen vermutet Palmer, dass auch andere Eukaryonten - das sind alle Organismen mit einem echten Zellkern, zu denen neben den Pflanzen auch Säugetiere und Pilze zählen _ für horizontalen Gentransfer empfänglich sind. Das bedeutet, dass auch wir Menschen durch Arten, mit denen wir gar nicht verwandt sind, genetisch beeinflusst werden könnten. </P><P>Internet<BR>Erklärungen der Begriffe vertikaler und horizontaler Gentransfer findet man unter dem Link: </P><P>www.transgen.de/?link=/Lexikon/gentransfer.html<BR></P>

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