Zur Uni, um nicht einzurosten

- Rund 2150 Senioren haben sich in diesem Wintersemester an der Ludwig-Maximilians-Universität für ein Studium eingeschrieben. Davon nehmen 2000 am speziellen Seniorenstudium teil, 150 über 60-Jährige studieren in regulären Studiengängen.

<P>"Viele Frauen und Männer hätten gerne in früheren Zeiten studiert, was ihnen wegen der wirtschaftlichen Lage nicht möglich war", erzählt Professor Eugen Biser, der Direktor des Zentrums Seniorenstudium der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Zusammen mit einem Kollegen rief er 1987 das Seniorenstudium ins Leben. "Das Konzept umfasst alle Bereiche der Uni, außer den Sprachkursen, das ist die Aufgabe der Volkshochschulen." <BR><BR>380 Senioren schrieben sich im ersten Semester ein. Heute sind es rund 2000. "Wir retten so manche Fakultät, die ohne die Senioren zu wenig Hörer hätte. Für die Dozenten macht es auch einen Unterschied, ob er vor 19 oder 50 Hörern spricht. " <BR>Das eigens für die Senioren erstellte Vorlesungsverzeichnis umfasst 12 Zentralvorlesungen, 14 Seminarübungen sowie Arbeitskreise quer durch alle Fakultäten. </P><P>Dabei sind die jungen Kommilitonen von der Teilnahme keineswegs ausgeschlossen. Teilweise sitzen aber auch Senioren in den Veranstaltungen der jungen Studenten, was zu Komplikationen führen kann. <BR>"Es kommt schon vor, dass die Senioren ein wenig vorlaut sind und die Vorlesung stören, dann muss der Seminarleiter oder Dozent durchgreifen."<BR><BR>Für viele Rentner gehört das Studieren zum Alltag. Die Ingenieure Helmut Hesch (71) und Robert Mayer (73)sind schon seit neun Jahren dabei "um nicht einzurosten und fit zu bleiben". Dabei interessieren sie sich vor allem für die Themen Medizin, Theologie und Philosophie. "Wir fänden es sehr schade, wenn es das Studium nicht mehr geben würde", so die beiden Rentner. </P><P>Sie wissen natürlich auch, dass Senioren in der Uni nicht immer gerne gesehen sind. "Eine Zeit lang gab es Ärger, weil sich einige Leute nicht an die Regeln gehalten haben und jüngeren Studenten die Plätze in Vorlesungen weg nahmen", sagen sie missbilligend. <BR><BR>Das Angebot eines speziellen Seniorenstudiums gibt es an den anderen Hochschulen in München nicht. Dies könnte an der klaren Bevorzugung der Senioren von nicht-technischen Themen liegen. <BR><BR>An der Technischen Universität München sind allerdings sechs Senioren in reguläre Studiengänge eingeschrieben. Diese Möglichkeit gibt es auch an der LMU. Dort studieren rund 150 Senioren, davon 100 im Erststudium. Die meisten von ihnen sind in den Geisteswissenschaften und Kultur sowie Kunst zu finden. Sie unterliegen denselben Bestimmungen wie die "jüngeren" Kommilitonen.<BR><BR>Abschlüsse machen können die Senioren in ihrem Seniorenstudium nicht, höchstens Leistungsscheine werden vergeben. Voraussetzung für die Einschreibung ist die Hochschulreife, ein Semesterbeitrag von 50 Euro (der eventuell bald auf 75 Euro erhöht wird) muss entrichtet werden. <BR></P>

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