Unter sattgrünen Bäumen zum Hörsaal am Englischen Garten

- Fast 100 000 Studierende strömen jeden Tag (außer in den Semesterferien) in die Hörsäle, Übungsräume und Labors der Hochschulen im Großraum München. Wir haben einigen Studentinnen und Studenten an einem Tag über die Schulter geschaut, um ihren Studienweg und den Arbeitsplatz aus ihrer ganz persönlichen Perspektive mitzuerleben.

<P>Heute: Sebastian, Student der Kommunikationswissenschaft KW) an der Ludwig-Maximilians- Universität. </P><P>Richtig wach wird Sebastian Doedens spätestens auf dem Weg von seiner Wohnung zum Institut. Denn der 23-Jährige fährt, wann immer es geht, mit dem Fahrrad von der Münchner Freiheit in die Oettingenstraße, zu den Kommunikationswissenschaftlern. Seit drei Jahren geht das so; Doedens ist im sechsten Semester. Sein Weg zur Uni ist schön. </P><P>Aus der Siegfriedstraße raus, rauf zur Leopoldstraße, auf der an diesem Tag Scharen von Studenten durch die Zehn-Uhr-Sonne Richtung Uni-Hauptgebäude radeln. Der Hamburger Doedens, der aussieht wie der große Bruder von Benny Lauth, rollt - nicht allzu schnell - vierhundert Meter bis zur Ecke Hohenzollernstraße. </P><P>Beim Bäcker auf der Ecke stoppt er oft; nicht immer reicht es zu Hause für ein Frühstück. "Zwei Brezn, eine komisch und die Vorlesung zur höheren Mathematik unheimlich fand. Zwar fahre hier nie ein Auto, dafür stünden aber gerne mal ein paar Zivil-Polizisten an der Ecke. Erst im Dezember waren 80 Euro fällig. "Seitdem halte ich als Einziger an", erzählt der 23-Jährige, während ihn zwei Radler überholen. </P><P>Hat er die Ampel-Hürde genommen, beginnt der Teil des Wegs, der Doedens noch heute glücklich macht darüber, dass er dort wohnt, wo er wohnt. Und dass er seine Veranstaltungen dort hat, wo er sie hat. Unter sattgrünen Bäumen radelt er dahin, mitten durch den Englischen Garten, an der guten Luft freut er sich, dem Grün und den durch die Äste blinzelnden Sonnenstrahlen. Vorbei am Chinesischen Turm radelt er, dem "größten Hörsaal der Welt", dann biegt er rechts ein in die Oettingenstraße. </P><P>Dort, wo Japanologen, Ethnologen, Politologen und Informatiker ihre Laube haben, dort, wo die Hausnummer 67 am weißen Gebäude klebt, dort lehren und lernen auch die Kommunikationswissenschaftler. Im Vorhof sitzen Studenten, sie sonnen sich, lesen Skripte, rauchen. </P><P>Diskussion über die Farbe Blond </P><P>Hier hat Doedens die meisten seiner Veranstaltungen. Heute muss er zum Methodikseminar. Hermeneutik im 1. Stock. Manchmal sitzt er auch im Erdgeschoss und diskutiert über "Die Ikonologie der Blondine". Die Kommunikationswissenschaftler machen spannende Sachen. Gut, dass Doedens noch Politik studiert. Und vor allem VWL. Das kühlt ab, wenn er zuvor mit Kommilitoninnen über Brüste und die Farbe Blond diskutiert hat.</P><P> Zur Entspannung setzt sich Doedens gern auf die Bierbänke hinter seinem Institut. "Theoretisch könnt ich zu Spanisch", sagt er. Praktisch bestellt er ein Schnitzel. Vögel zwitschern, Blätter rauschen. Doedens sinniert über seine Kommilitonen: "Stylisch ist nicht unwichtig", glaubt er. Und "sehr auf Außenwirkung bedacht" seien viele. Wohl fühlt er sich trotzdem, hier an der Oettingenstraße. </P><P>Das geht nicht mehr lange so weiter. Denn bald wird Doedens umziehen. Nach Madrid. Ein Jahr Erasmus- Programm. Dann kann er nicht mehr wach werden auf seiner Radltour zum Institut, kann keine Brezn mehr kaufen an der Leopoldstraße, kein Schnitzel mehr essen an der Oettingenstraße, und im Seminar kann er nicht mehr über Blondinen diskutieren. </P><P>Wieder aufs Rad, die Leopoldstraße queren und rein in die Nikolaistraße, dann kurz die Königinstraße entlang. Bis zu dieser Ampel. "Die ist mit Vorsicht zu genießen", sagt Doedens, der erst Bauingenieur werden wollte, die Leute aber komisch</P>

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