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Unternehmer als "Gutmenschen"

- Freitagmorgen, Viertel nach acht - keine Zeit, zu der man an der Uni volle Sitzreihen erwartet. Doch wenn Hans-Ulrich Küpper im Hörsaal B 01 des LMU-Hauptgebäudes über "Unternehmensethik" spricht, hören ihm jede Woche fast 400 Studenten zu. "Das Thema ist im Kommen", sagt der Professor für Produktionswirtschaft und Controlling.

Betriebswirtschaft und Ethik - für Küpper ist das kein Widerspruch. Im Gegenteil: Unternehmensethik gehört für ihn zum "Kernbereich" seines Fachs. Ob es um die Führung von Mitarbeitern gehe, um Entlassungen oder eine saubere Bilanzierung: Überall habe das Handeln eines Unternehmers eine ethische Dimension. "Wir drücken diese Dinge allerdings in einer Fachsprache aus, durch die oft nicht klar wird, dass es sich um ethische Probleme handelt."

Firmen engagieren sich oft nur aus Image-Gründen

Ist die Einführung eines Mindestlohns sinnvoll? Rechtfertigt ein Markteinbruch die Entlassung hunderter Mitarbeiter, damit die Firma weiter Gewinn einfährt? Endgültige Antworten auf derlei Fragen will Küpper den Studenten nicht geben. "Ich möchte die Leute für ethische Probleme sensibilisieren und dem Praktiker ein Instrumentarium an die Hand geben", erklärt er.

Einen anderen Ansatz verfolgt Professor Gerd Mutz von der Münchner Fachhochschule. Der Soziologe und Volkswirt unterrichtet Sozialwissenschaftler über "Corporate Social Responsibility" (CSR), die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Dass Firmen im Einklang mit der Gesellschaft handeln sollen, hält Mutz für selbstverständlich.

"In den USA ist das nichts Neues", erklärt er. "Dort gelten Unternehmen als Bürger mit Rechten und Pflichten." In Deutschland dagegen diene ein bisschen öffentliches Engagement nicht selten bloß dazu, das Image aufzupolieren. "Window Dressing", nennt Mutz das. Allerdings übernähmen auch hierzulande immer mehr Firmen ernsthaft gesellschaftliche Verantwortung.

Hier sieht Mutz die Brücke zu den Sozialwissenschaften. Die Zukunft sozialer Arbeit liege nicht etwa in der Abhängigkeit vom Staat, sondern in gemeinsamen Projekten mit der Wirtschaft. "Dazu müssen meine Studenten aber auch mit einem Ökonomen reden können", sagt er. Wer an der FH Sozialwissenschaften studiert, muss deshalb bei Mutz auch Wirtschaftstheorie pauken.

Um die Diskussion über gesellschaftliche Verantwortung in der Wirtschaft aus der Hochschule heraus zu tragen, organisiert Mutz gemeinsam mit der Hypo-Vereinsbank dieses Semester zum zweiten Mal eine Vorlesungsreihe zum Thema - mit großer Resonanz.

Allerdings gebe es auch noch große Vorbehalte gegen die, wie Mutz meint, "neue Dimension der Wirtschaft": Wer sich mit CSR beschäftige, werde unter Wirtschaftswissenschaftlern nicht selten als "Gutmensch" belächelt. Und Betriebswirt Küpper räumt ein: "Bei vielen meiner Fachkollegen ist eine Scheu vor Ethik da."

Dass sich die beiden Disziplinen einander nur langsam nähern, zeigt sich nicht zuletzt bei Mutz' Vorlesungsreihe. Unter den Zuhörern seien die Sozialwissenschaftler deutlich in der Mehrheit, sagt der Soziologe. "Und das, obwohl bei den Betriebswirten genauso viele Werbeplakate für die Veranstaltung hängen."

Ringvorlesung "Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen": 21. Juni, 18.30 Uhr im FH-Hörsaal R 1.046 an der Lothstraße 64.

Buchtipp: Hans-Ulrich Küpper: Unternehmensethik. Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart. 39,90 Euro.

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