Urlaub im Archäologencamp für wissbegierige Amateure

- Editha Lafebre freut sich immer noch über den Erfolg, den sie im letzten Jahr am See Genezareth hatte. Die Rentnerin grub dort eigenständig eine phönizische Vase aus.

Lafebre war private Teilnehmerin einer wissenschaftlichen Ausgrabungskampagne, die das Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie der Johannes Gutenberg Universität Mainz unter der Leitung von Professor Wolfgang Zwickel organisiert hatte. Die Mainzer Archäologen stellen jedes Jahr ein Kontingent an Plätzen zur Verfügung für Laien, die einmal erleben wollen, wie Forscher auf wissenschaftlichen Ausgrabungsfahrten leben und arbeiten. Wer an einer solchen Fahrt teilnehmen will, der muss sich frühzeitig informieren und schnell buchen, denn der Trend ist unverkennbar: Immer mehr Menschen verspüren den Wunsch, sich in ihrer Freizeit nicht an irgendeinen Strand zu legen, sondern aktiv in Forschungsprojekte eingebunden zu werden und hineinzuschnuppern in die Welt der Wissenschaft. Die Mitfahrgelegenheiten sind jedoch stark limitiert. "Die Plätze für die Teilnahme an unserer Ausgrabungsfahrt nach Israel sind immer schnell ausgebucht", erklärt Zwickel.Viele Archäologie-Fans haben sich schon lange vor der Fahrt mit der Materie beschäftigt, wie Editha Lafebre, die an der Uni Mainz im Seniorenstudium Kurse in der Biblischen Archäologie besucht."Teilnehmer, die vier Wochen mit uns auf Ausgrabungsfahrt nach Israel gehen, brauchen keine Vorbildung. Sie müssen mit etwa 1100 Euro plus Flugkosten rechnen", sagt Zwickel. "Das sind Kosten, mit denen wir nicht unsere Kassen auffüllen."Während der Grabungen erklären die Archäologen den Teilnehmern, wie man wissenschaftlich arbeitet. Zudem finden Schulungen und Exkursionen statt. Das Angebot des Mainzer Seminars ist unter www.kinneret-excavations.org einsehbar. (Für dieses Jahr sind die Plätze schon ausgebucht).

Auch für Schülerinnen und Schüler gibt es Angebote, in die faszinierende Wissenschaft der Archäologie einzusteigen. Im niederbayerischen Altdorf bei Landshut hat die Gesellschaft für Archäologie ein Grabungsfeld, auf dem Schulklassen regelmäßig aktiv werden können. Dort graben die Archäologen gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege jungsteinzeitliche Relikte aus. Der berühmteste Fund aus Altdorf ist ein 4500 Jahre altes Skelett aus der Schnurkeramik-Kultur, einem Kulturkreis des späten Neolithikums (um 2800 bis 2200 v. Chr.)."Die Kurse, die wir anbieten, sind kostenlos, nur die Busanfahrt muss bezahlt werden", erklärt Monika Weigl, Mitarbeiterin bei der Gesellschaft für Archäologie und Initiatorin des Projekts. In Altdorf können auch die Erwachsenen graben. Eine Woche kostet mit Hotel und Frühstück 845 Euro. Die Termine stehen im Internet unter www.landkreis-landshut.de.

Auch in Österreich hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Hier gibt es bereits ein Touristik-Unternehmen, das Archäologie-Fans Ausgrabungsreisen anbietet. Die Wiener Firma "ARGE-Wissenschafts-Tourismus" organisiert Fahrten für Amateure zu verschiedenen Grabungsstätten in Österreich. "Praktische Vorkenntnisse sind dabei nicht nötig", erklärt Firmenchef Robert Manoutscheri. Vor Ort werden die Teilnehmer in wissenschaftlichen Seminaren betreut. Eine Reise führt zur Grabungsstätte Carnuntum - einst Hauptstadt der römischen Provinz Oberpannonien, heute bekannteste Ausgrabungsstätte Österreichs (pro Woche rund 960 Euro).

Wer sich für die Keltenzeit interessiert, der kann auch zur Grabung Sandberg fahren. Dort arbeiten Archäologen des Naturhistorischen Museums Wien (eine Woche kostet 960 Euro). Auch hier sind die Archäologie-Fans begeistert: "Natürlich ist es anstrengend, den ganzen Tag im heißen Sand zu buddeln", meint Lukas, Schüler aus Wien, "aber wenn wir etwas finden, entschädigt uns das für alle Mühe." Lukas hat bereits eine verzierte Schwertscheide gefunden, als er zusammen mit zwei Studentinnen in einem Ruinenareal grub. "Das war ein echt steiles Erlebnis!", sagt er begeistert.

Buchtipp:Ausführlich und leicht verständlich: "Ausgrabung heute - Methoden und Techniken der Feldgrabung" v. Egon Gersbach; Theiss-Verlag, 26 ; 182 S., 76 Abb., ISBN: 3-8062 1379-8.

Internet:www.wissenschafts-tourismus.at.

www.arlan.de

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