Venus vor der Sonne gut zu sehen

- Köln - Steife Nacken und dunkle Brillen: Menschen in fast allen Teilen der Erde haben am Dienstag fasziniert beobachtet, wie der Planet Venus vor der Sonne entlanggezogen ist. Wolken hatten den Blick nur vereinzelt gestört.

"In ganz Deutschland und in weiten Teilen Mitteleuropas hatten wir für die Beobachtung des Venustransits ideale Bedingungen", sagte Hubertus Wöhl vom Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS). Die Venus war als kleines schwarzes Pünktchen von 7.20 Uhr bis 13.23 Uhr vor der Sonne zu sehen. Diese exakte Aufreihung von Sonne, Venus und Erde gab zuletzt vor 122 Jahren, so dass sie noch kein heute lebender Mensch gesehen hatte. <P>Zahlreiche Sternwarten, Planetarien und Institute hatten zu Aktionen mit Experten und professionellen Geräten eingeladen. Die Venus war mit Sonnenfinsternis-Brillen auch ohne optisches Gerät sichtbar. Der Planet bedeckte nach Auskunft der Vereinigung der Sternfreunde (VdS, Heppenheim) jedoch nur ein Tausendstel der Sonne.</P><P>Auf dem Domplatz in Köln hatte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) gemeinsam mit der Bochumer Sternwarte Teleskope aufgebaut, durch die die Mini-Sonnenfinsternis gefahrlos betrachtet werden konnte. An einem Gerät ohne Sonnenfilter wurde die Gefahr des ungeschützten Blicks in die Sonne demonstriert: Die durch die Linse gebündelten Sonnenstrahlen brannten Löcher in eine Papierkarte.</P><P>Auch in den Sternwarten Berlins herrschte Hochbetrieb. "Wir hatten Glück, keine dicken Wolken haben die Sicht getrübt", sagte eine Mitarbeiterin Archenhold-Sternwarte. In der nördlichsten deutschen Sternwarte, einem Gebäude der Fachhochschule Flensburg in Glücksburg, beobachteten rund 50 Besucher schon am frühen Morgen das seltene Ereignis mit Hilfe von sechs Teleskopen oder mit Spezialbrillen. "Die Venus war als sehr gut ausgeprägter kleiner Punkt zu sehen", sagte der Flensburger Physiker Prof. Uwe Roose.</P><P>Für die Wissenschaft war der Anblick interessant, um mehr über die Zusammensetzung der Venusatmosphäre zu erfahren. Diese sei mit optischen Geräten sehr gut zu sehen gewesen, sagte Wöhl. Die Beobachter hätten die durch die Venusatmosphäre dringenden Sonnenstrahlen genutzt, um die exakten Anteile der Venusgase zu bestimmen. Dieses Verfahren sei nur bei einem Venustransit möglich. Die am Dienstagvormittag gesammelten umfangreichen Daten, Fakten und Bilder würden nun ausgewertet. Früher nutzen Astronomen den Venustransit, um Entfernungen im Sonnensystem zu bestimmen.</P><P>Die undurchdringliche Venusatmosphäre besteht zu 96 Prozent aus Kohlendioxid. Ihr Treibhauseffekt heizt den Planeten auf bis zu 500 Grad Celsius auf, so dass an der Venusoberfläche Blei schmilzt. Der Luftdruck ist 90 Mal so hoch wie auf der Erde, in der Atmosphäre hängen Wolken aus konzentrierter Schwefelsäure.</P><P>Michael Khan von der Europäischen Raumfahrtkontrollstation (ESOC) in Darmstadt sagte: Ein solches Phänomen sei für die Suche nach fernen Planeten interessant, die um andere Sterne kreisen. So werde das All mit Teleskopen nach eben solchen Transiten abgesucht, die Rückschlüsse auf andere Sonnensysteme zuließen.</P><P>Besonders gut war die Venus auch im Großteil Afrikas und im Westen Asiens zu sehen. In Kuwait versammelten sich hunderte Menschen vor einem Observatorium. In Australien war der Venustransit bei Sonnenuntergang noch nich komplett zu Ende, in weiten Bereichen Amerikas hatte der Durchgang der Venus bereits vor Sonnenaufgang begonnen.</P><P>Der nächste Venustransit am 5. Juni 2012 ist von Europa aus nicht zu beobachten, dies wird erst wieder für künftige Generationen am 8. Dezember 2125 möglich sein.</P><P>Für alle, die den Venusanblick verpasst haben, gibt es einen kleinen Trost: Unser Nachbarplanet ist nach dem Mond zu vielen Zeiten des Jahres der weitaus hellste Körper am Nachthimmel. Daher wird er auch Morgen- oder Abendstern genannt.</P>

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