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Hinhalten und absagen: Verabredungen zu treffen ist heutzutage gar nicht mehr so einfach.

Schluss mit dem nervigen "Jein"

Warum WhatsApp Verabredungen so nervig macht

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München - "Kann's noch nicht sicher sagen" oder "Sorry, schaff's jetzt doch nicht", solche und ähnliche Sätze trudeln immer öfter über WhatsApp und Facebook ein, wenn es um Verabredungen geht. Können oder wollen wir uns nicht mehr festlegen? Woher kommt der neue Trend zum „Jein“?

„Ich schaff's heut doch nicht“, „Kann's noch nicht sicher sagen“, „Meld mich wenn spontan“: Viele von uns kennen diese Sätze, wenn es um eine Einladung zum Abendessen oder den nächsten Kinobesuch geht – sei es von Freunden oder von uns selbst. Es scheint, als fiele es uns immer schwerer, verbindliche Verabredungen zu treffen. Können oder wollen wir uns nicht mehr festlegen? Woher kommt der neue Trend zum „Jein“?

Früher war das einfacher: Man hat sich für einen bestimmten Tag mit Freunden oder einem Verehrer verabredet und getroffen. Es wurden eine Uhrzeit und ein Ort ausgemacht und fertig. Heute ist das schwieriger.

Geliebte Unverbindlichkeit: Alle Türen offen lassen

Bei der Vielzahl an Möglichkeiten wollen sich viele nicht verbindlich festlegen. Das Wochenende ist nach einer stressigen Arbeitswoche schließlich heilig. Da will der Samstagabend auch optimal geplant werden. Wer weiß, ob nicht kurzfristig noch eine bessere Einladung kommt? Und dann hängt man beim langweiligen Spieleabend mit den Nachbarn fest, obwohl sich gleichzeitig eine spontane Runde im Biergarten trifft. Vielleicht würde man den Abend auch lieber auf der Couch mit einer Tüte Chips und DVDs verbringen. Dann bereut man es am Ende, sich schon wieder verabredet zu haben. Deshalb halten sich viele am liebsten alle Möglichkeiten so lange wie möglich offen und vertrösten ihr Umfeld mit unverbindlichen Antworten, mit „Vielleicht“ und „Lass uns nochmal schreiben“.

Auch kurzfristige Absagen gehen uns viel leichter über die Lippen – nein, vielmehr über die Tasten. „Sorry, mir is was dazwischen gekommen, schaff's heut doch nicht“ - solch eine Nachricht ist schnell getippt. Gerade das macht es ja so einfach. Die Hemmschwelle, zum Hörer zu greifen und der Freundin persönlich zu sagen, dass aus dem langersehnten Treffen nichts wird und warum, ist dagegen schon deutlich höher. Früher ging das nicht so einfach. Als viele nur über ihren Festnetzanschluss zu erreichen waren, noch kein Handy besaßen, geschweige denn 24 Stunden am Tag über ein soziales Netzwerk erreichbar waren, konnte man nicht so ohne Weiteres ein paar Stunden vorher absagen.

Jede Minute eine neue Pushup-Meldung

Und selbst, wenn man das Risiko eingeht und es wagt, sich schon Tage vorher auf eine Sache einzulassen, macht es das Ganze nicht leichter. Dann wird bei Facebook oder WhatsApp eine Gruppe gegründet und eine Umfrage gestartet, etwa für einen Bowling-Abend in größerer Runde. „Wer hat am Wochenende Lust auf Bowlen?“ Was folgt, ist eine Flut an Antworten: Wer kann wann, wo soll es hingehen, vorher essen oder nicht, und wenn ja, auf was haben die meisten Lust? Innerhalb weniger Minuten erscheint auf dem Handy eine Flut an Pushmeldung, zehn neue WhatsApp-Nachrichten in fünf Minuten.

„Wenn nur Freitag, Samstag kann ich nicht“, „Pizza hatte ich erst gestern, wie wäre Asiatisch?“, „Ich komm wahrscheinlich später, bin vorher noch beim Sport“. Dazwischen natürlich noch unzählige Smileys und Symbole, die für weitere 20 Nachrichten sorgen und gleichzeitig dafür, dass die Hälfte die Gruppe schon wieder entnervt verlässt.

Vielen geht dieses Hick-Hack auf den Geist, sie sehnen sich nach den guten alten Zeiten, in denen man für ein einziges Treffen nicht unzählige Male hin- und herschreiben musste. Und dabei ist man selbst oft nicht besser.

Dabei zwingt uns doch keiner dazu. Also, wie ändern wir's? Wollen wir uns überhaupt von der geliebten „Unverbindlichkeit“ verabschieden?

Werden Sie zum "Ja-Sager"!

Einen Versuch wäre es allemal wert. Bei der nächsten Einladung einfach sofort „Ja“ sagen. Ungeahnte Möglichkeiten könnten sich auftun, wenn man sich traut, „ins kalte Wasser zu springen“, nicht zu zögern sondern einfach zu machen. Dann blieben einem auch regelmäßige Gewissensbisse erspart, warum man den einen oder anderen schon seit Monaten nicht mehr gesehen hat. 

Diesem Thema widmet sich übrigens auch der Film „Der Ja-Sager“ mit Jim Carrey. Carrey spielt darin den zögerlichen Carl, der durch seine unentschlossene Art viele Möglichkeiten im Leben verpasst. Als er sich in einem Motivationsseminar dazu überreden lässt, künftig zu allem, wirklich allem Ja zu sagen, verändert sich sein Leben grundlegend. Das wäre auf die Realität vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Dass wir uns und unseren Freunden damit aber so manche Situation erleichtern würden, scheint dagegen weniger unrealistisch. 

Also beim nächsten Mal das „Jein“ einfach gleich zu einem „Ja“ machen! Was kann schon passieren? Im schlimmsten Fall ist einer von 365 Abenden im Jahr ein bisschen langweilig. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass wir ein paar schöne Stunden mit einem lieben Menschen verbringen.

vh

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