Gürtel-Attacke gegen Kippa-Träger: Täter schuldig gesprochen

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Vergessener Humor von der Kanzel

- Schallendes Gelächter in den Kirchen mag heute vielleicht unangebracht scheinen. Doch hat fröhliche Ausgelassenheit in den Gotteshäusern, das so genannte "Osterlachen", eine jahrhundertelange Tradition. Ihren Höhepunkt fand sie in der bayerischen Barockpredigt an den Ostermontagen.

<P></P><P>Die österliche Liturgie sollte stets eine eindrucksvolle Darstellung des Göttlichen, gleichzeitig aber auch der Ausdruck gemeinsamer Freude sein. Feste verliehen dem oftmals harten und trostlosen Leben der Menschen einen besonderen Glanz. Während der Fastenzeit etwa wurde der Altar mit einem Hungertuch verhangen und man ließ die Glocken schweigen. Die Osterliturgie war nach den Entbehrungen umso eindrucksvoller.</P><P>Schon im 14. Jahrhundert brachten vor allem im süddeutschen Raum Prediger ihre Gottesdienstbesucher durch Späße, Pantomimen oder ein lustiges "Ostermärlein" (Ostermärchen) zum Lachen. <BR><BR>Gerade die volkstümliche Barockpredigt in ihrer mundartlich gefärbten Sprache fand dafür eine anschauliche, wortgewaltige und unbefangene Erzähllust, deren berühmtester Vertreter der Wiener Hofprediger Abraham a Sancta Clara (1644 - 1709) wurde. <BR><BR>Bei diesen Osterspäßen wurden gerne skurrile und schlüpfrige Geschichten bis hin zu Obszönitäten zum Besten gegeben. Aus diesem Grund war verschiedenen Kanzelrednern, Humanisten und Reformatoren das "Osterlachen" schon vor seinem Höhepunkt im 17. Jahrhundert suspekt geworden. Der Baseler Prediger Johannes Oekolampad etwa hat sich eingehend in seiner Schrift "De risu paschali" (1518) mit dem Brauch beschäftigt und diesen vehement abgelehnt. Er berichtet von Predigern, die auf der Kanzel wie Gänse geschnattert oder einen Kuckuck nachgeahmt hätten. <BR><BR>Die Aufklärung läutete das Ende des Brauches ein. Humoristische Einlagen im Gottesdienst wurden seltener und der Regensburger Erlass von 1853 verbot zuletzt gänzlich Fabeln oder Obskures aus den Predigten. Nachdem sich in den vergangenen Jahren die Wissenschaft mit dem Brauch eingehender befaßt hat, scheint das Osterlachen langsam auch wieder Einzug in die Kirchen zu halten: in Hamburg wird es beispielsweise in der Hauptkirche St. Katharinen gepflegt. </P><P>An Ostern erfüllte jahrhundertelang fröhliches Lachen die bayerischen Gotteshäuser, wie die Kirche bei Zankenhausen am Ammersee. Heute ist der Brauch in Vergessenheit geraten.</P><P> </P>

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