Vermächtnis des Widerstands

- Bis zum Ende des Jahres ist in der Denkstätte "Weiße Rose" in der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Sonderausstellung über Kurt Huber zu sehen. Im Winter 1942 schloss sich der Musikprofessor der Gruppe an und unterstützte den Aufruf zum Widerstand gegen Adolf Hitler mit einem eigenen Flugblatt. Dafür wurde Huber 1943 von den Nazis hingerichtet. Erstmals zu sehen ist in der Denkstätte nun unter anderem die handgeschriebene Verteidigungsrede Hubers vor dem Volksgerichtshof der Nationalsozialisten.

Kurt Hubers Sohn, Professor Wolfgang Huber von der Katholischen Universität Eichstätt, schildert im Interview, wie er sich dem Erbe seines Vaters erst langsam näherte.

Sie waren vier Jahre alt, als Ihr Vater von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Huber: Daran habe ich kaum Erinnerungen. Ich weiß nur noch, dass sowohl meine Mutter als auch die Schwester meines Vaters in Sippenhaft genommen wurden. Was mein Vater damals getan hat, wurde mir erst später bewusst, als ich dann die Volksschule besuchte. Doch auch da wurde das Thema in der Familie vermieden. Für alle Angehörigen war es schwierig, damit umzugehen, dass mein Vater geköpft worden ist, auch wenn Verbrecher dieses Todesurteil ausführten.

Sie haben sich intensiv mit den Widerstandsaktivitäten Kurt Hubers gegen die Nazis beschäftigt. Wie haben Sie sich dem Erbe Ihres Vater genähert?

Huber: In allererster Linie war das das Verdienst meiner Frau. Sie ermutigte mich immer wieder, mich mit dem Leben meines Vaters zu beschäftigen. Als ich mit der Aufarbeitung anfing, war ich allerdings schon 50 Jahre alt. Dann habe ich mich systematisch durch seine Aufzeichnungen gearbeitet und zusammengefasst, wie mein Vater wissenschaftlich arbeitete, wie er politisch dachte und wie er sich dann mutig dem Widerstand gegen Hitler anschloss. Im nächsten Jahr werde ich darüber ein Buch veröffentlichen.

Gab es Überraschungen, auf die Sie bei den Recherchen gestoßen sind?

Huber: Überraschend und erschreckend zugleich war für mich vor allem die Tatsache, wie viele der Kollegen und vor allem auch der Professoren an der Ludwig-Maximilians-Universität glühende Anhänger der Nationalsozialisten waren und so natürlich auch an Lehraufträge kamen, die andere nicht bekamen, obwohl diese für die wissenschaftliche Aufgabe geeigneter waren.

Mussten Sie Vorurteile gegenüber Ihrem Vater aus der Welt räumen?

Huber: Dass mein Vater im Jahr 1940 in die NSDAP eingetreten war, hatte nichts mit seiner politischen Überzeugung zu tun. Kurt Huber musste seine Familie mit 300 Reichsmark ernähren, was sehr wenig Geld war. Nur wenn man als Professor auch in der Partei war, erhöhte sich das Einkommen schnell um fast das Doppelte. Deshalb trat mein Vater in die NSDAP ein. Doch bereits 1937 war aktenkundig, dass Kurt Huber alles andere als linientreu war.

Wie empfinden Sie die neue Ausstellung über Ihren Vater in der LMU?

Huber: Die Ausstellung ist sehr gelungen. Sie zeigt hervorragend, wie Kurt Huber für seine politische Überzeugung eintrat. Besonders freue ich mich, dass das Original seiner Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof zu sehen ist. Leider ist die Handschrift für Außenstehende fast unleserlich. Ich habe selber sehr viel Geduld benötigt, bis ich das Dokument entziffert hatte. Doch die Mühe hat sich mehr als nur gelohnt.

Das Interview führte Thorsten Naeser.

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