Verrückter Kaiser im Helden-Gewand

- Er gefiel sich in der Rolle des Helden Herkules und stieg vor den Augen des Volkes auch schon mal selbst als Gladiator in die Arena: Kaiser Commodus, der von 180 bis 192 Rom nach Christus Rom regierte.

"Commodus gilt als einer der verrückten Kaiser Roms", erklärt Privatdozent Ralf von den Hoff vom Institut für Klassische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität.<BR><BR>Die gut 1,30 Meter hohe Büste eines unbekannten Meisters zeigt Commodus mit den Insignien des Herkules: dem um die Schultern geschlungenen Löwenfell, den Äpfeln der Hesperiden in der linken und der Keule in der rechten Hand. "Schon vorher sind römische Kaiser als Herkules aufgetreten", so von den Hoff. Bei der Büste des Commodus seien aber erstmals in dieser Fülle weitere Symbole für die Herrlichkeit des Kaisers aufgetaucht. So zeigt die Büste auch das Zeichen des Gottes Jupiter, Füllhörner als Wohlstands-Symbole und einen Weltglobus.<BR><BR>"Die Büste stellt einen Versuch dar, die Rolle des Kaisers am Hof zu definieren", erklärt von den Hoff, der das Kunstwerk am Donnerstag, 13. Januar, in der Reihe "Meisterwerke der antiken Kunst" vorstellen wird (18.15 Uhr, Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal 101).<BR><BR>Ob der Abgebildete selbst den Auftrag zur Herstellung gab oder die zu Zeiten seiner Regierung entstandene Marmorbüste ein Geschenk aus höfischen Kreisen war, ist laut von den Hoff unklar.<BR><BR>Offensichtlich ist für den Archäologen jedoch die Meisterschaft, die sich in der Büste offenbart. Sie zeige sich nicht bloß in der üppigen Symbolik, die die Bedeutung des Commodus veranschauliche, sondern auch in ihrer handwerklichen Ausführung, so von den Hoff.<BR><BR>Alles in allem spiegele das Kunstwerk das Bild eines auffälligen Herrschers wieder, so von den Hoff. Allerdings betont er: "Was aus der Büste spricht, ist nicht das Bild eines Verrückten, sondern das eines Herrschers, der eine absolute und heroengleiche Auffassung seiner Herrschaft hat."<BR><BR>

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