Versprechen ohne Wirkung

- Baldriandragees als Einschlafhilfe, Magnesiumtabletten gegen Muskelkrämpfe und Omega-3-Fettsäuren als Thromboseschutz. Ob in der Apotheke oder in der Drogerie: Die Auswahl an pflanzlichen Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln ist riesig. Doch wie können Patienten wirkungslose Produkte von hochwertigen Naturarzneien unterscheiden?

"Schon die Einordnung der Präparate ist ein Problem", sagt der Jurist Herbert Wartensleben. "Gerade pflanzliche Produkte werden gerne als Nahrungsergänzungsmittel deklariert." Der Grund: Umfangreiche und teure Studien sind hier nicht notwendig. Der Hersteller muss nur das Lebensmittelgesetz beachten. Arzneimittel dagegen müssen von der Zulassungsbehörde genehmigt werden.

Die Überwachungsbehörden der Bundesländer sollen verhindern, dass Arzneien zu Unrecht als Lebensmittel eingestuft werden. Doch viele Firmen umgehen dieses Verbot. Sie verschweigen arzneiliche Wirkungen ihrer Produkte. Oder sie produzieren in anderen EU-Staaten: Denn was in Deutschland ein Arzneimittel ist, kann in Österreich als Nahrungsergänzungsmittel gelten. Unter dieser Kategorie kann es in jedem anderen Land der EU verkauft werden - auch in Deutschland. Der Grund: Die gesetzlichen Richtlinien der EU werden von den Mitgliedsländern in nationales Recht umgesetzt - mit oft sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Eine einheitliche Regelung soll es erst 2009 geben.

Bis dahin will das Komitee für Naturforschung und Naturmedizin in München Orientierungshilfe bieten: Wenn ein Präparat gegen Krebs, Aids und Rheuma zugleich wirken soll, lässt man besser die Finger davon. "Wundermittel gibt es nicht", warnt Andreas Fuchs, Apotheker und Leiter der unabhängigen Arzneimittelberatung für Patienten. "Wenn Produkte schnell, natürlich und nebenwirkungsfrei helfen sollen, ist immer Vorsicht angeraten."

Skeptisch sollte man auch bei vielen Schlankheitsmitteln sein: "Bei Vorher-Nachher-Fotos und dem Hinweis, dass man nach wie vor alles essen dürfe, sollte man auf das Präparat besser verzichten", rät Fuchs. Auch wenn Ärzte in der Werbung das Produkt empfehlen, spricht das nicht für dessen Qualität. Denn Mediziner dürfen in Deutschland nicht für Medikamente werben - die Experten sind oft frei erfunden.

Gut beraten ist man dagegen beim Gang in die Apotheke: Hier bekommt man auch Auskunft über die Wirksamkeit der Produkte. Zudem enthalten Arzneimittel aus dem Drogeriemarkt oft unwirksame Pflanzenteile oder zu geringe Mengen.

Einen ersten Erfolg für eine klare Verbraucherinformation gibt es nun aber zu verzeichnen: Zumindest für Lebensmittel gelten ab dem Frühjahr 2007 verschärfte Regelungen zu gesundheitsbezogener Werbung: So muss zum Beispiel die Behauptung "Kalzium verringert das Risiko von Osteoporose" künftig wissenschaftlich belegt werden. Andrea Eppner

Wer sich trotzdem unsicher ist oder weitere Informationen braucht, kann sich auch direkt an den Arzneimittelberatungsdienst wenden (Tel. 0351/458-5049 oder www.arzneimittelberatungsdienst.de).

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