Versteckspiel im Universum

- Für Sterne sind sie zu massearm und für Planeten zu massereich. Sie verstecken sich im Schatten hellerer Sterne und verraten wenig über ihren Charakter. Braune Zwerge geben den Astronomen unzählige Rätsel auf. Jetzt haben Astronomen ein besonders interessantes Exemplar entdeckt. Der Braune Zwerg mit der Bezeichnung SCR 1845-6357B umläuft in nur 12,7 Lichtjahren Entfernung von der Erde einen anderen Stern.

Seine Masse beträgt zwischen neun und 65 Jupitermassen. Der Heidelberger Astronom Wolfgang Brandner vom Max-Planck-Institut für Astronomie gibt Auskunft über die Neuentdeckung.

Warum haben sich Braune Zwerge so gut im Universum versteckt?

Brandner: Braune Zwerge leuchten kaum im sichtbaren Licht. Sie werden erst im Infrarot sichtbar. Vor elf Jahren gab es zwei Projekte, die das Firmament mit Infrarot-Teleskopen durchmusterten. Dabei stieß man erstmals auf diese Himmelskörper.

Wie entstehen Braune Zwerge?

Brandner: Wahrscheinlich bilden sie sich wie Sterne aus einer Gaswolke, sammeln aber nicht genug Masse ein, um über viele Millionen oder Milliarden Jahre selbst Energie aus Wasserstoff zu gewinnen.

Wie sind Braune Zwerge aufgebaut?

Brandner: Braune Zwerge bestehen größtenteils aus Wasserstoff und Helium. Wir beobachten in ihren Atmosphären auch komplexere Moleküle wie Wasser, Methan oder Ammoniak.

Wie verläuft ihr Leben?

Brandner: Während Sterne ständig leuchten, kühlen sich Braune Zwerge ab und werden leuchtschwächer. Sie scheiden somit nicht spektakulär aus dem Leben wie Sterne, die nach dem Aufbrauchen ihres Brennstoffs als Supernova, schwarzes Loch, Neutronenstern oder als Weißer Zwerg enden.

Was macht Braune Zwerge für die Astronomie interessant?

Brandner: Sie stellen ein Bindeglied zwischen großen Gasplaneten, wie dem Jupiter und den sehr viel heißeren Sternen, wie die Sonne dar. Wir erforschen, wie sich die Atmosphäre eines Braunen Zwergs zusammensetzt und ob es Wettergeschehen gibt.

Warum ist SCR 1845-6357B eine besondere Entdeckung?

Brandner: SCR 1845-6357B ist einer der kühlsten Himmelskörper, die bisher außerhalb des Sonnensystems beobachtet wurden. Der Abstand zu seinem Zentralstern ist vergleichbar mit dem Abstand des Jupiters zur Sonne. Wir sehen hier ein Sternsystem, welches unserem Sonnensystem ähnlich ist.

Warum weiß man nicht genau, wie schwer die Neuentdeckung ist?

Brandner: Bei Sternen können wir die Masse aus der Helligkeit und Temperatur bestimmen. Dabei berechnet man die Masse aus Umlaufbahnen und Geschwindigkeiten. Bei Braunen Zwergen muss diese Eichung erst noch erfolgen. SCR 1845-6357B benötigt für einen Umlauf wahrscheinlich 20 bis 30 Jahre. Daher können wir bisher keine genauere Aussage über seine Masse treffen.

Welche Erkenntnisse erhofft man sich von der Entdeckung?

Brandner: SCR 1845-6357B ähnelt den gesuchten Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems, so dass wir Theorien zum Aufbau und den Atmosphären von Gasplaneten daran testen.

Wie viele Braune Zwerge, vermuten Sie noch in der näheren Umgebung?

Brandner: Wir vermuten noch viele Braune Zwerge in der Umgebung der Sonne. Es könnte fast so viele Braune Zwerge wie Sterne geben.

Suchen sie weiter?

Brandner: Ja, die Entdeckung von SCR 1845-6357B hat uns ermutigt. Wir wollen herausfinden, wie viele Planetensysteme in der Milchstrasse vorhanden sind, und ob günstige Bedingung für das Leben vielleicht irgendwo anders auch vorhanden sind.

Das Interview führte Thorsten Naeser.

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