Ein versunkener Palast

- Zwischen klassischer Musik hört man das Plätschern von Wassertropfen, die von den schwarzen Steinsäulen auf den silbrig schimmernden Boden fallen. Laufstege für Touristen führen durch das geheimnisvoll gurgelnde Halbdunkel der Yerebatan Zisterne im Zentrum Istanbuls.

<P>Im sechsten Jahrhundert wurde dieser Wasserspeicher, aus der Zeit von Kaiser Justinian I.(527-565), auch "Versunkener Palast" genannt. Diesem Namen macht die Zisterne auch heute noch alle Ehre. <BR>Tief unter der heutigen Oberfläche Istanbuls, in der Nähe der berühmten Hagia Sophia, liegt dieser archäologische Ort der Ruhe, der dem Besucher Erholung vom hektisch pulsierenden orientalischen Leben in den Gassen der türkischen Millionenmetropole bietet.</P><P>Will man in das Herz des früheren byzantinischen Weltreichs eintauchen, so muss man seine damalige Hauptstadt Konstantinopel besuchen.<BR><BR>Dass in Istanbul archäologischen Denkmäler mit der modernen Metropole an allen Ecken und Enden eine besondere Synthese eingehen, beweisen eindrücklich die Überreste des Valensaquädukts, die heute mitten in der Stadt liegen und unter denen eine der wichtigsten Straßen hindurchführt. <BR><BR>Mitte des vierten Jahrhunderts wurde der imposante zweigeschossige Arkadenbau errichtet, um die Stadt mit Wasser aus dem Belgrader Wald zu versorgen. </P><P>Heute ist nur noch ein kurzes Stück erhalten, das aber immer noch eindrucksvoll die Fertigkeiten der oströmischen Architekten unter Beweis stellt.<BR><BR>Ebenso eindrucksvoll ist die mittelalterliche Stadtmauer, die sich noch heute vom Goldenen Horn über sechs Kilometer bis zum Marmara Meer hinzieht. <BR><BR>Der größte Teil des imposanten Bollwerks entstand im fünften Jahrhundert unter der Herrschaft von Kaiser Theodosius II. 1000 Jahre lang galt die Mauer als unüberwindlich - bis die Osmanen kamen. <BR><BR>Das wohl spektakulärste Bauwerk aus der frühen byzantinischen Zeit ist jedoch die Hagia Sophia. Erst Kirche, dann Moschee, heute Museum. Sie war einst die größte Kirche der Christenheit (heute ist es der Petersdom in Rom). Die Bauzeit der Hagia Sophia betrug nur fünf Jahre, über 100 Baumeister und mehr als 10  000 Arbeiter sollen daran beschäftigt gewesen sein. Immer wieder fielen Teile der Kirche Erdbeben zum Opfer. <BR><BR>Auch die Osmanen bewunderten das Bauwerk, das Justinian am 27. Dezember 537 eingeweiht hatte - gut 130 Jahre, nachdem an dem Platz eine durch Konstantin II. errichtete Basilika zerstört worden war.<BR>Auch die Osmanen bewunderten die Hagia Sophia. Ihre Umwandlung nach der Eroberung Konstantinopels in eine Moschee führten sie daher mit viel Respekt durch.<BR><BR>Natürlich ersetzten sie das Metallkreuz in der Kuppel durch einen Halbmond, der ein halbes Jahrhundert später mit dem Gold von 50 000 eingeschmolzenen Münzen überzogen worden sein soll; anstelle des Ambon, auf dem das Evangelium verlesen worden war, entstanden eine Kanzel und ein Mihrab für das Gebet in Richtung Mekka. Und draußen wurden vier Minarette angebaut. Erst nach dem Untergang des osmanischen Reiches wurde unter dem ersten Präsidenten der türkischen Republik, Kemal Atatürk, aus der Moschee ein byzantinisch-osmanisches Museum. Ab 1932 wurden auch die prächtigen Mosaiken freigelegt, die von den Osmanen abgedeckt waren. Fast 16 000 Quadratmeter umfassen die Goldgrundmosaike mit christlichen Darstellungen an den Wänden der Hagia Sophia.<BR><BR>Ihre Pflege und Erhaltung verschlingen bis heute große Geldsummen. Daher findet man die Innenräume der Hagia Sophia fast nie ohne Gerüste für Konservierungsarbeiten vor.<BR><BR>Das Deutsche Archäologische Institut unterhält eine Außenstelle in Istanbul. Von hier aus wird die Forschungsarbeit in der Türkei organisiert - etwa Ausgrabungen in Didyma an der Westküste von Izmir, einst griechisch-römische Orakelstätte.</P>

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