Ein verträumter Platz mit spannender Geschichte

- Die Roseninsel gehört zu den landschaftlich schönsten Orten Oberbayerns. Verträumt liegt sie im Starnberger See, umrahmt von Schilfgürteln und Stränden. Tausende Touristen besuchen sie jedes Jahr. Dass die Roseninsel ein lebenswertes Fleckchen Erde ist, haben unsere Vorfahren erstmals vor etwa 5700 Jahren, im so genannten Mittelneolithikum, bemerkt. Aus dieser Zeit stammen die ältesten archäologischen Funde.

<P>Hier am Starnberger See, der von den sich zurückziehenden Alpengletschern geschaffen wurde und zwischen 11 000 und 12 000 Jahren alt ist, hat die archäologische Forschung eine lange Tradition: <BR><BR>Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Interesse an prähistorischen Pfahlbausiedlungen stieg, suchte man auch in den oberbayerischen Seen nach Überresten. Untersuchungen in den Jahren 1864 bis 1874 erbrachten den Beweis, dass in der Urnenfelder Zeit, von 1200 bis 900 v. Christus, die Menschen in Pfahlbauten an der Roseninsel lebten. Weitere Untersuchungen unternahmen 1895 die Prähistorische Staatssammlung München und 1915 Prinz Ferdinand von Bayern.<BR><BR>Doch trotz der vielen Grabungen birgt der Schlick der Uferbereiche noch viele Geheimnisse für die Unterwasserarchäologen. Heute erforschen die Wissenschaftler vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie den Gewässergrund rund um die Roseninsel. Immer wieder entdeckt man neue spannende prähistorische und historische Überreste.<BR><BR>Ein spektakulärer Fund ereignete sich im Jahr 1986. Am Westufer der Roseninsel fanden Taucher den bislang ältesten Einbaum Bayerns. Er war mehr als 13 Meter lang und stammt aus der Urnenfelder Zeit (900 v. Chr.). </P><P>"Im Laufe der Geschichte des Starnberger Sees hat seine Wasseroberfläche öfters bis zu fünf Metern geschwankt", erklärt Guntram Schönfeld, Referent für Feuchtbodenarchäologie im Referat Archäologische Denkmalforschung des Landesamtes für Denkmalpflege. "Vieles, was damals über dem Wasser lag, ist heute unter dem Seespiegel."<BR>Aus diesem Grund spielt sich heute ein Großteil der archäologischen Prospektion unter Wasser ab, wie auch die neusten Untersuchungen an der Nordseite der Roseninsel. Hier tauchen die Archäologen seit zwei Jahren nach den Überresten einer Konstruktion, die die Insel mit dem Festland im Mittelalter verbunden hat.<BR><BR>"Die so genannte Brücke verlief etwa 250 Meter in nördlicher Richtung weg von der Roseninsel", erklärt Schönfeld. "Wir wollten mit den Tauchkampagnen die Hölzer und Pfähle, die am Seegrund noch zu sehen sind, dokumentieren und Proben entnehmen, um sie anschließend im Labor zu datieren."</P><P>In dieser ersten Untersuchung haben die Archäologen bereits 300 Pfähle und 100 liegende Hölzer durchnummeriert und vermessen. "Im Flachwasserbereich sind die Pfähle aufgrund des Wellenschlages schon stark aberodiert", sagt Schönfeld. In den tieferen Bereichen sind die Pfosten noch teilweise bis zu 40 Zentimeter hoch erhalten.<BR><BR>"Unsere ersten Untersuchungen der Hölzer haben ergeben, dass die Anlage um das Jahr 1340 nach Christus zu datieren ist", erklärt Schönfeld. "Wahrscheinlich existierte zu dieser Zeit auch eine Turmhügelburg auf der Roseninsel, die sich noch heute schwach im Geländerelief abzeichnet.<BR><BR>Spätestens seit dem 14. Jahrhundert wird die Roseninsel als Ritterlehen erwähnt. Im Jahr 1545 erhält ein gewisser Jakob Rosenbusch die Insel als Lehen. Zu dieser Zeit dürfte zusätzlich zu der Brücke im Nordteil eine weitere Brücke in westlicher Richtung die Insel mit dem Festland verbunden haben.<BR><BR>"Noch ist unklar, ob es sich bei der Konstruktion im Norden wirklich um eine Brücke handelte", sagt Schönfeld. "Ihr Verlauf ist nahezu uferparallel, die dünnen, nicht mehr tragenden Hölzer an ihrem Ende lassen Zweifel aufkommen", meint der Denkmalpfleger. "Das Bauwerk könnte auch als Sperrwerk gedient haben." Eine Vielzahl der Fragen sind also noch offen. <BR><BR>Deshalb führen in diesem Jahr die Archäologen wieder eine Tauchkampagne durch. "Unsere Untersuchungen werden noch viele interessante Ergebnisse an den Tag fördern", verspricht Guntram Schönfeld. </P><P>Buchtipps: <BR><BR>Die Tätigkeiten der bayerischen Denkmalpflege mit einem Aufsatz über die Roseninsel und weiteren Themen über die archäologische Forschung im Freistaat beinhaltet das Buch "Das Archäologische Jahr in Bayern 2003" (Theiss Verlag, Stuttgart, 29 Euro; ISBN: 3-8062-1899-4).</P><P>Das Buch "Archäologie erleben" beschreibt die bedeutendsten archäologischen Denkmäler in Deutschland (Theiss-Verlag, Stuttgart, 24,90; ISBN: 3-8062-1858-7).</P>

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